Neben unseren eigenen Füßen, dem wunderbaren Bahnsystem Japans, sowie diversen Busfahrten haben wir schon eine Hand voll Erfahrung mit Mietwägen in Japan gesammelt. The good, the bad, the ugly – alles war mit vertreten.

Dass wir uns überhaupt für Toyota Rent a Car (TRAC) entschieden hatten, kam aus zweierlei Gründen. Zum einen waren sie laut einer Vergleichsseite für Mietwägen mit unter den günstigeren Anbietern, und mit ihrem sehr breit ausgebauten Netz an Büros auch überall verfügbar. Zudem konnten wir die Buchung eines Mietwagens auch einen Tag vor Bedarf anstoßen und abschließen, nachdem ein anderer Konkurrent uns unsere Wagenbuchung in der Nacht davor einfach gecancelled hatte.

Über den ersten Eindruck hatte ich bereits geschrieben – direkt nach unserer Abreise aus Tokio schnappten wir uns einen Toyota Aqua Hybrid Neuwagen (sehr schnuckelig, schade, dass es den in Deutschland so nicht gibt), und wurden von den zwei Damen in Atami sehr professionell und gut durch alles geleitet. Über eine Woche reisten wir mit dem Wagen durch Wälder und Berge, sowie entlang Küsten und Stränden. Perfekt.

Bei unserem zweiten Mal lief zwar auch alles gut und erfolgreich, aber „perfekt“ war anders. Bei unserer Ankunft in Ise machte der ältere Herr hinter seinem Tresen große verschreckte Augen. Zum Glück habe ich gewisse Japanischkenntnisse – mit Englisch wäre man hier komplett verloren gewesen, das gehörte definitiv nicht zum Repertoire des Herrn. Was er jedoch konnte, war quasseln. Zwar alles strikt und fachlich über den Mietprozess des Wagens, aber dennoch… Wenn auf ein „Sie haben das volle Versicherungspaket gebucht?“ – „Ja.“ – „Sie kennen die Konditionen?“ – „Ja.“ eine halbstündige Belehrung über die bereits bekannten Bedingungen folgt, und die Servicehotline in diesem Gespräch vier Mal (keine Übertreibung, irgendwann habe ich es mitgezählt) erwähnt wird, und dass man sich bei Fragen ja dort hin wenden kann… dann nervt das doch ein kleines bisschen. Aber am Ende verlief doch alles glimpflich – mit einem weiteren Toyota Aqua (diesmal nicht Neuwagen) ausgestattet, ging es durch die Izu Halbinsel.

Die dritte Runde war für mich die anstrengendste. Bei der Abholung und der Fahrt per se gab es keine Probleme – unser Toyota Corolla Verbrenner brachte uns sicher von A nach B. Das Problem begann, als wir auf einer dünnen Bergstraße Gegenverkehr begegneten. Dünn heißt in diesem Fall einspurig, was durchaus oft vorkommt. Daher wussten wir auch genau, was zu tun war, hatten dieselbe Situation über Tage an vielen Stellen. Der Rückwärtsgang wurde eingelegt, das Lenkrad entsprechend eingeschlagen. Nur leider war das Geäst des Busches, den wir beim Zurücksetzen-Ausweichen streiften etwas härter als erwartet. Ein gut zehn Zentimeter langer Kratzer in der Tür ist Zeitzeuge. Aber, mein Gott, sowas kommt vor – keiner wurde Verletzt, der Wagen nicht wirklich „beschädigt“ – Kratzer wurden beim Abholen der Wägen immer so als „ja mai, passiert schonmal, wa“ lässig abgetan. Daher setzten wir unsere Reise fort. Beim Abgeben wies ich den Toyota-Herren auf den neuen Kratzer hin, und ab da ging die Party ab. Aus allen Ecken der Filiale kamen Mitarbeiter angerauscht. Der Kratzer wurde begutachtet, von allen Seiten analysiert, fotografiert. Die Warterei im Office war Nervengeladen. Mein Japanisch ist passabel, aber für so Situationen, wo viele Leute schnell durcheinander reden, mit unbekanntem Vokabular, dann eben doch nicht ganz geeignet. Die Krönung war dann der hingehaltene Telefonhörer, am Ende eine Mitarbeiterin der Filiale, von wo wir den Wagen initial abgeholt hatten. Wann und wo ist der Kratzer entstanden? War eine Person oder ein Gegenstand beteiligt? Wurde es der Polizei gemeldet? Mit Hand und Fuß und Fotos der Straße und des Tages konnte das Geschehen dann nachgebildet und erklärt werden. Im Endeffekt ist auch überhaupt nichts passiert – keine Geldstrafe, keine Belehrung, kein nichts. Nervlich war ich aber am Ende. Bei den ganzen Gesprächen und nicht wirklich verstandenen Teilsätzen war ich kurz davor, komplett abzuschotten, alles abzublocken, und zu fordern, dass mir jemand auf Englisch erklärt, was eigentlich Sache ist. Zum Glück konnten wir das doch noch umgehen, weil wenn Japaner in einem unsicher sind, dann in Gesprächen, die Englisch fordern. (Rückblickend… vielleicht hätte ich abschotten sollen. Lustig wäre es ja gewesen… 🙂 )

Die vierte Buchung war dann ein Ausflug mit einem Kei-Car, einer Knutschkugel, diesen ulkigen Schuhschachteln von Autos, die wie ein Smart von außen winzig wirken, aber innen so unglaublich viel Platz haben. Das war mitunter noch der ruhigste Verleih eines Wagens, die Mitarbeiter waren sehr ruhig und strukturiert.

Schön was zu Lachen hatten wir beim fünften und aktuell letzten Mietvorgang. Wie immer betraten wir zu zweit das Büro, ich ging an den Schalter. In geübter Manier werden unsere japanischen Residence Cards (im Prinzip aktuell unsere Personalausweise) inklusive deutschem Führerschein und japanischer Führerscheinübersetzung von beiden Fahrern auf dem Tresen präsentiert. Wenn man als Deutscher in Japan Auto fahren will braucht man nämlich entweder einen japanischen Führerschein (welcher auch nicht allzu schwer zu bekommen ist), oder eben eine Übersetzung des deutschen Wischs. Diese bekommt man für um die 26EUR von der Japanese Automobile Federation. Das geht komplett unproblematisch und schnell, auch wenn das Papier selbst in seiner A4 Aufmachung eher unpraktisch und relativ nervig ist. Ausgestattet mit Reisepass oder Residence Card (da ist jeweils das Einreisedatum ins Land drin), dem deutschen Führerschein, sowie der Übersetzung, ist man als Deutscher für den Zeitraum eines Jahres ab Einreise ins Land berechtigt, Auto zu fahren. Das lustige an der ganzen Situation? Die meisten wissen das nicht. Inzwischen krümme ich mich innerlich schon immer vor Lachen, wenn ich die unterschiedlichen Stufen an Verwirrung auf den Gesichtern der japanischen Angestellten sehe, wenn sie versuchen, dieses komische A4 Papier zu interpretieren. Dieselbe Erfahrung hatte ich bereits 2018 bei einer Prolizeikontrolle, in der die Cops keinen Schimmer hatten, was dieses Papier war, das ich ihnen hingehalten hatte. Und denselben Blick erleben wir je-des-mal, wenn wir einen Wagen ausleihen. Manche Angestellte sind gut – entweder die kennen den Zettel tatsächlich, oder sie lassen sich die Verwirrung einfach nicht ansehen. Eine kurze Kopie des Wischs, und schon sind sie zufrieden. Andere sind verwirrt, drehen das Papier hin und her, aber geben es einem dann einfach zurück, und lassen einen passieren. Und dann gibt es solche wie den Herren unseres fünften Wagens. Noch bevor er die Unterlagen vom Tresen in die Hand nahm, hatte er schon pure Verwirrung im Gesicht stehen. Mein Freund und ich konnten unsere Lacher kaum unterdrücken (Entschuldigung, Herr Mitarbeiter, wirklich!), als der Mitarbeiter mit einem Kollegen die Unterlagen entgegen nahm, links und rechts wendete, und versuchte, sich daraus ein Bild zu machen. Selbst unsere Erklärung mit „Diese kleine Karte ist unser deutscher Führerschein, und das Papier die Übersetzung dazu“ brachte nichts. Das End vom Lied war dann, dass Herr Mitarbeiter das Telefon zückte (haha) und (vermutlich) in der Zentrale anrief (hahaha), um dort zu erklären, dass er diese Zettel in der Hand hat, und zu fragen, ob das alles so korrekt ist (hahahahaha). Der Kollege googelte nebenbei, und präsentierte seine Funde ebenfalls. Als wir endlich im Auto von dannen fahren konnten, mussten wir einfach laut loslachen.

Übersetzung zum Führerschein

Als End vom Lied des ganzen Berichts kann ich daher eigentlich nur sagen – alles in allem bin ich mit Toyota Rent a Car als Mietwagenfirma echt zufrieden. Die Webseite ist komplett auf Englisch verfügbar und gut aufgebaut – auch mobil auf dem Handy, was in Japan definitiv nicht die Norm ist. Sie sind sehr flexibel, haben eine große Flotte, und mit einem weiten Netz an Filialen auch eine super Erreichbarkeit. Sollte man wirklich gar kein Japanisch kennen, würden mich entsprechende Berichte brennend interessieren. Bisher kann ich jedenfalls sagen – egal, wie oft wir Wägen mieten, bisher war jedes Mal anders und eigen. Keine Erfahrung wie die andere. Aber am Ende geht doch alles gut aus, und mit dem Auto Japans Wälder, Berge und Küsten erkunden zu können, ist es allemal Wert. Ich 

Kategorien: 2020japan

mangakania

Manga-Fanatikerin und langjährige Anhängerin von Japan, Japanisch und allem was dazu gehört!

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