Für den nächsten Abschnitt auf der Izu Halbinsel hatten wir besondere Pläne – denn mit dem Zug wären wir hier nicht mehr weiter gekommen, und auf rumtuckern mit dem Bus hatten wir allein schon wegen dem Gepäck überhaupt keine Lust. Die einzig sinnvolle Lösung – ein Mietwagen muss her!

Nach einer sehr erholsamen Nacht klingelte frühs um 7 Uhr der Wecker. Denn vor dem Check-Out um 10 Uhr hatten wir noch unseren Termin bei der Autovermietung. Mit starkem Schritt ging es daher vom Hotel, welches schön unten am Strand, abseits jeglichen Trubels lag, den gesamten Berg (tausende Höhenmeter! Ein wahrlich grässliches Unterfangen früh am Morgen!) hinauf und am Bahnhof vorbei zu Toyota Rent A Car, um uns unser „Economy Plus“ Auto abzuholen.

Toyota Rent a Car

Die Ladies am Schalter von Toyota („Rent a Car“) waren super nett. Einmal Führerscheinübersetzung zeigen, eine Ausweiskopie und ein paarmal nett „ja“ sagen und Kopf nicken später hatten wir auch schon die Autoschlüssel in der Hand. Da ich selbst Linksverkehr schon „kannte“, übernahm ich die erste Stadt-interne Mini-Strecke zurück zum Hotel, um den Check-Out abzuschließen und das Auto zu packen. Damit war auch alles bereit, um direkt los zu düsen!

Unsere Automietung kostet mit All-Incl-Paket der Versicherung für 5 Tage (Abholtag ab 9:00 Uhr, Abgabetag bis 20:00 Uhr) übrigens 48.400 JPY (ungefähr 375 EUR gesamt / 75 EUR pro Tag). In den Preis fließt auch mit ein, dass wir den Wagen an einer anderen Filiale abgeben, als wir ihn abgeholt haben, was nochmal etwas extra aufgeschlagen hat. Unser Flitzerchen aus der „Economy Plus“ Kategorie ist übrigens ein Toyota Aqua… und sogar ein Neuwagen! Uiuiui!

Mt. Omuro

Der Berg Omuro ist ein sehr sehr bekanntes Ausflugsziel, und von den Bildern her sicher dem ein oder anderen ein Begriff. Durch seine auffällige Kegel-Form, auf deren oberen Rand man herumlaufen kann, ist er leicht wieder zu erkennen. Spannend fand ich, dass man im Kraterinneren übrigens Bogenschießen darf. Wenn das mal nicht einer der besondersten Orte überhaupt ist, einen Pfeil abzuschießen…? Sehr imposant war auf jeden Fall der Ausblick vom Gipfelring. Neben dem Meer und der Küste, Hafen und Sakura Alleen konnten wir vor allem eins gut bewundern – die nördlich liegende Berglandschaft, majestätisch geprägt von Mt. Fuji. Während sich das Nationalmaskottchen Japans gerne mal schüchtern gibt und versucht sich hinter Wolken zu verstecken, hatten wir heute absolut klaren Himmel und perfekte Sicht. Gepaart mit der Sonne auf dem Haupt und einem Softeis in der Hand ein absoluter Traum.

Ramen

Für unser Mittagessen hielten wir an einem Ramenrestaurant irgendwo im Nirgendwo auf dem Weg zum nächsten Reiseziel. Geführt wurde der Laden von einem gemütlichen japanischen Opa, der während wir da waren einen riesigen Pot neue Brühe eingekocht hat. Da passen ganz schön viel Gemüse und einige Knochen in so einen Topf! Die Ramenportion war mit der Menge an Nudeln auf jeden Fall gigantisch, und irgendwo waren wir dann doch froh, dass die eigentlich zusätzlich bestellten Gyoza nicht mehr kamen.

Jogasaki Coast & Kadowaki Lighthouse

Die Jogasaki Küste mit ihrem Kadowaki Leuchtturm war unser nächstes Ziel. Während der Pilz ähnelnde Turm kurz wahrgenommen und damit wieder abgehakt war, genossen wir es, den Küstenabschnitt zu erkunden. Was uns besonders auffiel – von den lustigen Schriftzeichen und der hohen Anzahl asiatischen Personen mal abgesehen, hätten wir auch in Spanien sein können. Da wir dort „vor Corona“ regelmäßig Urlaub gemacht haben, fühlte sich der eigentlich völlig unbekannte japanische Küstenabschnitt mit seinen kantigen Steinen und krummen Trampelwegen somit fast schon nostalgisch an.

Zwei der großen Küstenfelsen, die man erkunden konnte, waren mit einer Hängebrücke verbunden. Darunter konnte man das Meer in die Bucht prallen sehen und hören. Trotz meiner nicht ganz so geringen Höhenangst kam ich zum Glück gut über die Brücke rüber (solange ich weitestgehend in der Mitte laufen konnte.. 🙂 ), begleitet von vielen „oooh wie beängstigend“ Kundgebungen der anwesenden Japaner(innen, primär, die Herren waren natürlich stark und mutig).

Einen kleinen „Ups!“ Moment gab es noch, als wir für eine Runde Selfies unsere Masken abnahmen – und sich meine kurzerhand verabschiedete. Der Wind war nämlich gar nicht Mal ohne, und riss mir den weißen Lappen einfach aus der Hand. Glück im Unglück – auf dem Rückweg zum Parkplatz kam uns niemand entgegen, und im Kofferraum hatten wir unser Päckchen mit Ersatzmasken deponiert. Mittlere Ausländer-Touristen-Katastrophe abgewendet, ein Glück! (Dafür sorgte der Wind für einige lustige Frisuren 😀 )

Kawazu Seven Waterfalls

Als nächster und gewissermaßen letzter Tagespunkt standen noch die Kawazu Wasserfälle auf dem Programm. Dabei handelt es sich um einen relativ lang laufenden Flussabschnitt, der an vielen Stellen Wasserfälle formt – sieben davon imposant und groß genug, um extra namensgebend zu sein. Unser Ausflug hat sich mit einem der großen Wasserfälle inklusive ein paar der namenslosen kleineren Rinsale begnügt. Denn, falls ihr es nicht wusstet – bei einem Wasserfall fließt/fällt Wasser eine gewisse Anzahl an Metern hinab. Und wenn man davon sieben hintereinander anschauen möchte, dann muss man diese x Meter an herabfallender Höhe auch entsprechend hoch laufen! Wie ominös! 😀

Airbnb – Ryokan Ogawa

Unsere Bleibe für die Nacht war das Ryokan Ogawa in der Stadt Shimoda, wodurch unser Reiseabschnitt nicht ganz bis nach Minamiizu reichte, wie die Überschrift eigentlich vermuten lies. Aber nunja. Das Zimmer hatte einen traditionell japanischen Flaire, war jedoch sehr modern. Die Tatami Matten auf dem Boden waren beispielsweise Nachbildungen aus Plastik, und relativ hart.

Ein supergroßes Plus für uns – auf dem Stockwerk, auf dem unser Zimmer lag, gibt es zwei Bäder für fünf Zimmer. Jedoch war keines der anderen Zimmer belegt – wir konnten daher gemütlich und ausgiebig im Bad vor uns hin dösen, und das heiße Wasser genießen.

Die Stadt Shimoda

Zum Abschluss des Tages ging es noch auf einen kleinen Spaziergang durch die Stadt hindurch, mit letztem Halt bei einem Supermarkt für Getränke & Abendessen. Das Städtchen wirkte ziemlich kahl und teilweise sehr trostlos/verlassen. Wir glauben dass das primär auch daran liegt, dass Läden, die geschlossen haben, schwere Rollos runter fahren, während in der Stadt bzw. in Deutschland die Schaufenster in der Regel trotzdem noch einsehbar sind und damit alles offener wirkt.

Exkursion – Fahren in Japan

Das Autofahren in Japan ist finde ich kein allzu großes Ding, und man gewöhnt sich sehr schnell daran. Dabei unterstützt der Fakt, dass die meisten Autos hier Automatikgetriebe nutzen. Müsste ich mit links die Gänge einlegen, sähe mein Fazit sicher anders aus! Beim Verkehr auf der Straße muss man sich vor allem daran erinnern, links zu fahren. Das klingt erst einmal selbstverständlich, doch gerade beim Abbiegen und auf ländlichen Abschnitten, wo evtl. kein Gegenverkehr kommt, will die Gewohnheit aus Deutschland, die man sich über ein Jahrzehnt antrainiert hat, eben doch „auf die rechte Spur“ zurück. Aber nach ein paar Stunden und spätestens am zweiten Tag hat man das drin und kann beruhigt weiter fahren.

Ein kleiner letzter Punkt jedoch noch – stellt euch schonmal darauf ein, dass Fahren in Japan LANGSAM ist. Besonders, wenn man die Mautstraße (auf der auch nur 80 erlaubt ist) meidet. Denn innerorts wird man meist auf 40 limitiert – und das ändert sich außerorts nicht unbedingt. Viele Küsten- und Bergstraßen, die wir in den vergangenen Tagen passiert haben, gaben uns ein Tempolimit von 40 oder gar 30 km/h vor. Auf gut ausgebauten Strecken gab es vielleicht einmal eine 50 – da jubelte der ein oder andere im Auto schon einmal auf, endlich <schnell> fahren zu können.

Exkursion – Baden in Japan

In japanischen Bädern (Sento) wird anders gebadet, als es bei uns geläufig ist. In die (öffentliche) Badewanne werden keine riechenden Badebomben geworfen, sondern man genießt das pure, klare, heiße Wasser genau so, wie es ist, um dessen Mineralien und sonstige eventuell existierenden Eigenschaften direkt in die Haut aufnehmen zu können.

Und damit das Wasser auch so klar und sauber bleibt, schrubbt man sich VOR dem betreten der Wanne / des Badewassers sauber. Und mit <schrubben> meine ich auch wirklich <schrubben>. Mal eben unter der Achsel und im Schambereich shamponieren und damit zufrieden sein reicht hier nicht. Da werden schon mal 5 bis 10 Minuten(!) benötigt, um den Körper von oben bis unten in jede Ritze und Falte intensiv zu bearbeiten. Falls ihr mal ein öffentliches Bad nutzen solltet, nehmt euch am besten einen anwesenden bzw. gerade das Bad betretenden Japaner als Messlatte vor. Solange dieser schrubbt, schrubbt ihr auch. Am besten noch eine Minute länger, denn als Ausländer werdet ihr da etwas schärfer bemessen. Oh, und für die langhaarigen Leser? Haare gehören nicht ins Badewasser, hochstecken bzw. Zusammenbinden ist angesagt.


mangakania

Manga-Fanatikerin und langjährige Anhängerin von Japan, Japanisch und allem was dazu gehört!

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