Ein Museum der tokioter Geschichte – das muss nicht zwingend langweilig sein. Und wenn dann noch das Ägypten der Pharaonen dazu kommt, ist die Zeitreise perfekt. Ein Ausflug durch die Geschichte, zum Greifen nah.

Direkt am Sumida Fluss gelegen und lediglich ein paar Minuten südlich vom modernen Wunderwerk namens Sky Tree findet sich das Edo-Tokyo Museum. Wie der Name bereits verspricht, kann man in der darin befindlichen dauerhaften Ausstellung die Entstehungsgeschichte von „Edo“ (oder wie es auch neumodisch genannt wird, „Tokyo“) erleben und bestaunen.

Die permanente Ausstellung – Tokyo Tokyo!

Die Ausstellung ist in zwei Hauptbereiche unterteilt, den roten „Edo“ und damit historisch älteren Teil, der die Entstehungsgeschichte der japanischen Hauptstadt beschreibt und dessen Facetten beleuchtet. In der blauen „Tokyo“ Zone dreht sich alles um das durch Katastrophen geprägte und daraus neu aufgebaute Tokyo während und nach der Industrialisierung.

Beide Bereiche fokussieren dabei diverse unterschiedliche Abschnitte der Hauptstadt. Vom Lebensstil des Adels und des Fußfolks, zur Entstehung von Kunst und Handwerk, über Statistiken zu Gehältern, Lebensumständen, und vielem mehr gibt es einiges zu entdecken. Durch nummerierte Unterbereiche und empfohlene Wanderrouten kann man 400 Jahre Stadtgeschichte chronologisch nachverfolgen. Beispiele für die Zonen sind: Edos Stadtteile und Handel, Inseln und deren Bezug zu Edo, das große Kanto Beben, Luftangriffe auf Tokyo.

Die Aufteilung der zwei Zonen

Wechselnder Begleiter

Neben dem namensgebenden Teil des Museums gibt es auch die „Special Exhibition“, in der thematisch sehr unterschiedliche Ausstellungen einen Platz finden. Im Moment (November 2020 bis April 2021) handelt es sich dabei um die „Ancient Egypt – The Creation of the World“ Ausstellung über das alte Ägypten, deren Legenden und Sagen.

Dafür hat das Museum 130 Ausstellungsstücke aus Berlin einfliegen lassen, um neben den eigens erstellten textuellen und animieten Erklärungen der ägyptischen Entstehungsgeschichte der Welt rund um Osiris, Horus, Seth und co auch ein kleines Stück reale Wüste und Wunder nach Tokyo zu holen.

Preise undso

Die primäre Tokyo-Ausstellung kann man für lediglich 600JPY erkunden. Für ein Stück Ägypten fallen dabei schon 1.800JPY an. Will man beide Säle gemeinsam betrachten zahlt ein Erwachsener 2.000JPY für das Combi-Ticket.

Lohnt es sich?

Den Dorn im Auge gleich vorweg – während ich die ägyptische Ausstellung interessant und schön aufgebaut fand, war sie doch relativ klein und kurz. Gerade bei dem „doppelten“ Preis gegenüber dem Edo-Teil sollte man sich genau überlegen, ob dies einem Wert ist. Je nach Zeitpunkt des Besuchs könnte auch ein ganz anderes Thema ausgestellt sein, welches einen selbst überhaupt nicht interessiert. Vorher informieren ist dabei also angesagt.

Die Hauptausstellung über Edo-Tokyo ist dafür jedoch umso schöner und weitflächiger aufgebaut. Durch den chronologischen Pfad der Ausstellungsstücke und die Abwechslung des Themenfokus wird einem nicht langweilig, sondern es fühlt sich eher so an, als würde man geschmeidig durch die Zeit gleiten. Gerade alte Kleidung, Schriftstücke, Vasen und auch die vielen informativen Schaubilder über die Entwicklung der Stadt und dessen Popultion fand ich sehr faszinierend präsentiert und mit detaillierten Erklärungen ummantelt. (Auch wenn ich mir diese Informationsflut weiß Gott nicht merken konnte!)

Da man sehr viel auf den Füßen unterwegs ist, haben mir am Ende des Tages ganz schön die Sohlen gebrannt, trotz bequemer Turnschuhe. Im Museum selbst gibt es jedoch Sitzgelegenheiten zum Ausruhen, sollte man klug genug sein, diese auch in Anspruch zu nehmen. Fotografieren ist übrigens so ziemlich überall erlaubt, bis auf kleinere Ausnahmen von Filmen oder einzelnen Ausstellungssegmenten, die dann entsprechend gekennzeichnet sind.

Wer der japanischen Sprache nicht mächtig ist kommt hier zum Glück trotzdem auf seine Kosten. Jedes Schild ist auch mit Englisch bestückt, manche Glasvitrinen haben zudem ein digitales Schild, welches auch deutsche Erklärungen (und Koreanisch, und Chinesisch, und Spanisch, und…) führt. In der Theorie kann man auch einen Audioguide mieten, um sich Hintergrundinformationen vorsprechen zu lassen – da wir dies nicht getan haben, kann ich über die verfügbaren Sprachen und entsprechenden Preise (etwa 600JPY, wenn ich mich recht erinnere?) nichts sagen.

Last but not least – wäre Corona aktuell nicht ein limitierender Faktor, hätte das Museum zudem sehr viele interaktive Elemente zu bieten. Von betretbaren Haus-Nachbauten, zu offenen Tragekörben, deren Enge und unbequemen Holzbau man ausprobieren kann, sowie anzuhebenden historischen Handelsständen von vermutlich kriminell schweren Ausmaß gäbe es viel zu berühren, erkunden, und entdecken.

Kategorien: 2020japan

mangakania

Manga-Fanatikerin und langjährige Anhängerin von Japan, Japanisch und allem was dazu gehört!

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