Müll und Recycling in Japan sind interessant, und auch nur ein klein bisschen anders als bei uns in Deutschland. Ein erster Einblick in unsere bisherige Müll-Erfahrung.

Während unserem Hotel-Aufenthalt durften wir unser Quarantänezimmer bekanntlich nicht verlassen. Aller Müll, der produziert wurde, konnte daher sehr leicht vor Ort beseitigt werden, eine Suche nach möglichen Mülleimern war hier egal. Im Zimmer wurden uns zwei Mülleimer zur Verfügung gestellt – „Combustible“ (brennbar) und „Bottles & Cans“ (Flaschen und Dosen). Dasselbe Logik-System wurde in unserem Airbnbs ebenfalls weitergeführt und ist ein sehr übliches Trennsystem, das auch in Supermärkten vorgefunden werden kann.

Blau: „nicht brennbar“ = PET Flaschen und Dosen; Rot: „brennbar“ = alles andere

Meine erste Erwartung wäre: Combustible ist alles aus Papier und eben brennbaren Materialien, vielleicht sogar noch Essensreste; und das ganze Plastik geht dafür in ein anderes separates non-combustible. Das wäre unserem deutschen „Flach“ und „Rund“ System zumindest ein bisschen ähnlich, und aus der Materiallogik insgesamt nachvollziehbar.

Burn, Baby, Burn

In der Realität gibt es „non-combustible“ jedoch nicht wirklich. Einmal im Monat wird zwar eine Müllkategorie namens „nicht brennbar“ abgeholt, dabei handelt es sich jedoch eher um Sondermüll. Außer PET-Flaschen und Flaschen/Dosen wandert der gesamte Rest wandert in Combustible. Und zwar wirklich alles. Einzelne Papierchen, Plastikverpackungen, Folien, Staubsaugerinhalte, Feuchtigkeitstücher, Essensreste – alles.

Rot: Kategorie „brennbarer Müll“, oder halt auch Essensreste, Essschalen, Styropor, CDs, Spielsachen, Plastik, Gummi, Kleidung

Denn (sofern unsere Google-Recherchen- und bisher aufgeschnapptes Hören-Sagen-Wissen richtig ist): Japan macht mit seinem (Plastik-)Müll vor allem eines – es verbrennt ihn, um daraus Energie zu gewinnen. Und in diese Hochöfen darf aufgrund ihrer hohen Temperaturen auch so gut wie alles rein, daher die grundlegende Bezeichnung „Combustible“.

Recycling, Aufbereitung, oder ein nachhaltigeres Sortiersystem sind nur sehr gering vertreten. Sollte eine Stadt sich Mal an so etwas wagen, dann wird sie als Sonderheit in einem TV Special gezeigt, umgeben von verwunderten „ooooohs“ und „aaaahs“, da man diese Systeme von dem eigenen Wohnviertel nicht kennt. Je nach Wohngebiet gibt es natürlich auch wieder Unterschiede und unterschiedliche Systeme (wie sollte es auch anders sein), bei denen dann unterschiedlich intensiv getrennt werden kann, was die Sache nicht unbedinngt einfacher macht.

Ab auf die Straße damit

Am besten erkennt und bemerkt man das jeweilige Müllsystem auf den Straßen. Während Gehwege, Parks, und öffentliche Gelände insgesamt überverhältnismäßig sauber sind, zeigt sich an Müllabfuhr-Tagen ein ganz anderes Bild. Denn im Gegensatz zu den Mülltonnen, die wir in unserem Landkreis in Deutschland kennen, die geordnet an der Straße aufgestellt werden, wird in Japan der Müll in einzelnen großen und kleinen Plastiktüten am Gehweg deponiert.

Damit Winde und Raben die Tüten nicht verwehen, oder gar zerstören und den Inhalt überall verteilen, findet man manchmal Sammelkörbe oder grobe Netze um oder über den Mülltüten wieder. Das ganze ist je nach Bevölkerungsdichte und anstehendem Mülltyp immer wieder ganz interessant zu beobachten.

Kategorien: 2020japan

mangakania

Manga-Fanatikerin und langjährige Anhängerin von Japan, Japanisch und allem was dazu gehört!

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