Wenn man in Deutschland schon nicht auf einen Weihnachtsmarkt kann, geht man eben in Japan auf einen deutschen Christmas Market mit Glühwein und Würschtle!

Eigentlich ist es ja schon eine Geschichte der Ironie – In Deutschland wurden so gut wie alle Weihnachtsmärkte abgesagt, und die paar wenigen, die stattfanden, waren in abgespeckter Version ohne wärmende Getränke oder verlockende Speisen aufgebaut. Alles, um die Verbreitung von Corona weiter zu reduzieren.

Knapp 24 Stunden Reise und 12.000 Kilometer später, auf der anderen Seite der Weltkugel – und Japan öffnet die Tore für seinen Tokioter Weihnachtsmarkt, voll ausgestattet mit Glühwein, deutschem Bier, Würstchen und Baumkuchen.

Ein Stück Normalität

Im Zentrum Tokios, ein kleines Stück südlich vom Kaiserpalast, liegt der Hibiya Park. Und zwischen dem 10. und 25. Dezember wurde darin der „Tokio Christmas Market“ (東京クリスマスマーケット) geöffnet, ein Weihnachtsmarkt mit deutschem Ambiente.

War da nicht was mit … Corona?

Dass Corona noch ein Ding ist, konnte man am Markt eigentlich nur an zwei Anpassungen sehen – am Eingang gab es Desinfektionsspray und es wurde die Temperatur (am Handgelenk ..?) gemessen, zudem waren alle Stände mit Plastik-Vorhängen an der Theke bestückt. Aber das war es eigentlich auch wieder. Abstände, große Vorsicht, oder sonstiges war nicht zu bemerken. Es gab auch ein beheiztes Zelt mit Sitz- und Essmöglichkeiten… „innen“, „geschlossen“, „warm“, „ohne Maske“ … höre ich da Corona-Bingo?

Insgesamt eine enorm skurrile Atmosphäre, insbesondere mit den ganzen Einschränkungen und Maßnahmen aus Deutschland im Hinterkopf.

Die Verpflegung

Einer der primären Interessenspunkten des gesamten Weihnachtsmarkt waren die Futter-Stände. Auch wenn es ein paar kleine Krimskrams-DIY-Kerzen-Kleinkrust Krämerstände gab, waren doch lockere Zweidrittel der Buden für warme Kost und Getränke vorgesehen.

Wie auf den Karten und Bildern gut zu erkennen ist, war durchaus ein gewisses deutsches Flair vorhanden – deutsches Bier, Glühwein, Würstle mit Pommes, Brezeln, oder Sauerkraut. Da blieb kein Wunsch offen.

Der einzige ernüchternde Faktor? Die Preise! Habt ihr euch die Karten genau angeschaut? Das haben sie sich sicher auch von Deutschland abgeschaut – (Weihnachts)Marktpreise sind einfach fies 😉

  • 500ml Bier – 1.500JPY, etwa 12EUR
  • 200ml Glühwein im Pappbecher – 700JPY, etwa 5 EUR
  • Eine Brezel – 400JPY, etwa 3EUR
  • Currywurst mit Pommes – 900JPY, etwa 7EUR

Und der Geschmack?

Wir haben uns zwei Sachen geholt – einen Becher Glühwein, und einen skurrilen Snack. Der Glühwein war zwar okay, aber irgendwas am Geschmack hat nicht so richtig gepasst. Irgendein Gewürz darin war „falsch“. Mein Tipp liegt auf einem starken Anteil Anis, wodurch das ganze eine Note von Lakritz hatte.

Mein „skurriler Snack“ war ein Stück Baumkuchen. Als kleines Extra wurde dieser jedoch noch frittiert! Klingt abartig? War es auch. Durch das frittieren hatte der Teig jeglichen Eigengeschmack verloren, und auch das sonst „fluffig weiche“ Gefühl eines Baumkuchens war durch den Frittierteig und das Fett weggeschwämmt. Am Ende hat es sich einfach angefühlt wie ein Stück Rührteig, das man frittiert hat, und halt eine nette runde Form hatte. Skurril!

Ääääh …?

Ein richtiger „Was ist HIER denn los?“ Moment ergab sich am Stand von LINDT. Während dort anfangs, als wir den Markt betraten (früher Nachmittag) zwar eine Schlange war, aber alles noch human wirkte, hatte sich dort zum Ende unseres Besuchs eine schier abartige Warteschlange gebildet, die am Ende von einem Schild tragenden Japaner geziert wurde. Auf dem Schild geschrieben stand „ab hier 60 Minuten Wartezeit“. Geht man nach der vorbereiteten Absperrung gab es noch genug Möglichkeit, die Schlange entsprechend zu verdoppeln.

Und wofür das Ganze? Am LINDT-Stand gab es im vergleich zu den sonst sehr vielfältigen und diversen Ständen eigentlich nur ein einziges Produkt – heißen Kakao (mit Sahnehäubchen) für um die 10EUR. Huh?

Deko XXL

An einer Seite des Weihnachtsmarktes war ein Holzbau aus Gahlenz aufgebaut. Die massive Weihnachtspyramide mit Soldaten, Weihnachtsmännern und anderen Figürchen sorgte für viele „Waaaaah“s, und wurde fleißig Fotografiert. Entgegen den kleinen Modellen, die ich aus meiner Kindheit kenne, und die sich durch die heiße Luft der Kerzen drehen, bewegte sich dieses Modell mit elektrischen Kerzen-Fackeln nicht.

Ein bisschen Nostalgie

Meinen letzten „japanischen deutschen Weihnachtsmarkt“ hatte ich 2011 besucht. Damals wurde in Yokohama zwischen großen Warenlagern am Hafen ein deutscher Weihnachtsmarkt aufgebaut. Ein Unterschied zu heute (falls ich mich richtig erinnere…?) – 2011 war es sau kalt. Mit Mützen, Handschuhen und dicken Jacken bestückt wärmte man sich mit Glühwein / Punsch auf, während wir dieses Jahr mit lockeren Pullovern bei 10 Grad Celcius gemütlich draußen rum saßen.

Weihnachtsmarkt 2011 in Yokohama
Kategorien: 2020japan

mangakania

Manga-Fanatikerin und langjährige Anhängerin von Japan, Japanisch und allem was dazu gehört!

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar