Das Thema 2020, der Begleiter der gesamten Reise – Corona ist und bleibt ein Haupt-Interessenspunkt, um den man so schnell nicht herum kommt. So erleben wir Corona aktuell in Japan.

Disclaimer: Auch wenn ich hoffen würde, dass es offensichtlich ist und nicht extra erwähnt werden muss – alles nachfolgende ist meine subjektive Wahrnehmung der Corona-Situation und dem Verhalten mit dem Virus. Die folgenden Aussagen stimmen sicher nicht für ganz Japan und jeden Japaner, sondern spiegeln nur einen sehr winzigen Teil der Gesamtsituation wieder. Aber nun weiter im Text.

Damals, 02.12.2020

Als wir Deutschland verlassen haben, wurden wir von einer negativen Rekordzahl nach der anderen bombardiert. Über 20.000 Neuansteckungen pro Tag, explodierende Zahlen, keine sichtbare Besserung. Von weiteren Kontaktbeschränkungen und möglichen Ausgangssperren war die Rede, Weihnachten und Neujahr waren ungewiss, doch man erhoffte sich etwas Normalität.

In Japan klang das Gesamtbild anders. Um die 2.000 neuen Fälle pro Tag wurden vermeldet, die große Mehrheit natürlich aus den Ballungsgebieten wie zum Beispiel Tokyo. Ausgangssperren, Lockdowns oder andere Maßnahmen waren kaum zu vernehmen, lediglich finanzielle Unterstützungen für Läden und Restaurants lagen auf dem Tisch, um die Leute Abends zu motivieren, einfach nach Hause zu gehen.

Heute, 27.12.2020

Heute sind wir kurz nach Weihnachten angekommen, und das oben beschriebene Bild hat sich um ein Vielfaches verstärkt.

Aus Deutschland jagt weiterhin eine Meldung die andere – Weihnachten wurde so gut wie abgesagt, alle Familientreffen gestoppt. Jeder verbrachte die Feiertage allein daheim. Ausgangssperren ab 20 Uhr, Restaurants und alles nicht-essentielle weiterhin geschlossen. Neujahr komplett abgesagt. Weiterhin erdrückende Neuinfektionszahlen, und die langsam einschwappende neue Mutation aus England.

Hier in Tokio gibt es zwar auch weiterhin sehr viele Meldungen rund um Corona – neue Rekordzahlen von 3.000 neuen Fällen pro Tag zeigen weiterhin, dass auch hier noch nicht alles im Griff ist, wenn auch in kleineren Größen als es aktuell in Deutschland der Fall ist. Auch im TV geht es sehr stark um das Virus, seine Zahlen, wie es sich verbreitet, wie die Ansteckung funktioniert, und wie besonders betroffene Präfekturen (Bundesländer) damit zu kämpfen haben.

Tokio, today

Doch im Alltag in Tokio sind die Auswirkungen von Corona sehr dezent, verglichen mit Deutschland gar putzig. Restaurants und Läden haben regulär geöffnet, maximale Besucherzahlen setzen nur sehr wenige Läden durch. Die Menschen sind draußen und unterwegs, es wird geshoppt und gespeist und gereist.

Natürlich gibt es auch Maßnahmen – Desinfektionssprays stehen an jedem Eingang, Folien und Trennwände dominieren Kassen und Esstische. Fiebermessen vor dem Eintritt in Sehenswürdigkeiten oder Restaurants ist üblich. Masken werden immer und überall getragen, innen, außen, beim Stehen und Gehen. Lediglich für das Essen und Trinken wird die Maske abgenommen, aber auch nur dafür. Ist man fertig mit Essen, setzt man sie wieder auf.

Ausreiser gibt es natürlich auch hier, die ohne Maske unterwegs sind – doch diese fallen auf, werden aufmerksam und von allen Seiten beäugt, und sind sehr selten.

Choo Choo

Eine weitere nennenswerte Maßnahme betrifft das Bahnsystem in Japan. Dabei orientiert sich nämlich ein großer Teil der Bevölkerung an dem sogenannten „Shuuden“ (終電), dem letzten Zug des Tages, den man von der nächtlichen Arbeit oder aus den Bars unbedingt erwischen muss, wenn man nicht die Nacht über gestrandet sein möchte.

Um die Leute daher zu motivieren, etwas früher nach Hause zu gehen, und etwas weniger in Bars Zeit zu verbringen, wurden diese Shuuden schlicht und einfach vorverlegt.

Möglichkeiten der Maßnahmen

Ein großer Punkt, weshalb Japan so „sparsam“ mit den Coronamaßnahmen ist, ist schlicht und einfach – sie dürfen es nicht. Das Infektionsschutzgesetzt, das in Deutschland die Grundlage für Kontaktbeschränkungen und andere Schutzregelungen gilt, gibt es hier schlicht und einfach nicht. Der Grundsatz ist ungebrochen – die Freiheit des Einzelnen darf nicht eingeschränkt werden.

Was Japan jedoch machen kann, und was hier aufgrund der gesellschaftlichen Struktur sehr gut funktioniert, sind Bitten. Die Bitte, Restaurants früher zu schließen, um die Leute nach Hause zu treiben, wird dabei zum Beispiel auch finanziell unterstützt.

Sollte es einmal zu massiv steigenden Zahlen und einem „Lockdown“ in Japan kommen, kann die Regierung auch Firmen und Läden und ganze Strukturen „Bitten“, zu schließen. „Bitten“ setze ich diesmal deshalb in Klammern, weil in einem Ernstfall so eine „Bitte“ mehr eine nachzukommende Aufforderung darstellt. Sollte eine Firma zum Beispiel sagen „Nein nein, ich bin Firma SupertollXX. Auch wenn alle anderen zu machen, ich bleibe offen!“, dann kann, darf, (und wird?) die Regierung in Interviews und Meldungen Firma SupertollXX beim Namen nennen und an den Pranger stellen. Der Marketing-Ruf-Ehre-Tod einer jeden Firma.

Die Zukunft

Doch all die eben genannten Möglichkeiten, was Japan tun könnte, und was passieren würde, und wer was machen täte, sind natürlich nichts Wert außer heiße Luft, bis es nicht tatsächlich so weit kommt. Erst dann kann man wirklich sagen, wie ein Lockdown hier in Japan aussehen können würde.

Und ich persönlich hoffe ja, dass es einfach nicht notwendig sein wird, und wir dies nicht miterleben werden.

Kategorien: 2020japan

mangakania

Manga-Fanatikerin und langjährige Anhängerin von Japan, Japanisch und allem was dazu gehört!

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