Es ist soweit, der Tag der Tage ist gekommen. 15 Tage nach unserer Ankunft in Japan kann der Aufenthalt endlich so richtig beginnen – denn die Quarantäne ist abgeschlossen!

Heute ist die Katze aus dem Sack – Die von Japan vorgeschriebenen 14 Tage Quarantäne haben wir im APA Hotel Tokyo Kiba verbracht. Da die Check-In und Check-Out Tage (03.12. und 18.12.) nicht als volle Quarantänetage zählen, wurde es ein 16-Tage-15-Nächte-Aufenthalt. Aber sicher ist eben sicher, und es hat sich auch gezeigt, dass die Quarantäne Sinn macht. Doch dazu wann anders mehr.

APA bitte mit Stil

Im APA Hotel hatten wir uns niedergelassen, da dies von World Unite das empfohlene und unterstützte Quarantäne Hotel ist. Durch die Nähe zum World Unite Büro bekamen wir praktischerweise dreimal die Woche Lebensmittel aus dem Supermarkt geliefert. Zudem übernahm World Unite die Kommunikation mit dem Hotel, dass es sich um einen Quarantäneaufenthalt drehte, was für die Organisation des Zimmerservice wichtig war.

Ganz dem Stil der APA Hotelkette entsprechend, sind die Hotelzimmer auch in diesem Gebäude winzig. Das konnten wir schon an der Zimmerbeschreibung auf der Buchungswebseite erahnen (12 Quadratmeter Zimmer mit einem Bett), und wurde uns durch Zimmerbilder und -berichte der anderen Quarantänler bestätigt. Daher waren wir immens froh, uns für ein Zimmer eine Nummer größer (18 Quadratmeter mit zwei einzelnen Betten) entschieden zu haben, da wir immerhin auch zu zweit zwei Wochen lang im Zimmer leben würden.

Zimmerservice 2.0

Unser „großes Luxuszimmer“ war immerhin groß genug, um unsere Koffer in Zimmerecken und dem Gang zu deponieren, sowie überflüssige Handtücher, Yukata („Bademäntel“), und den sonstigen anfallenden Bade-Krimskrams sauber zu stapeln. Und davon gab es nicht gerade wenig! Da der Zimmerservice nicht in unser verseuchtes Reich eindringen durfte, wurde uns jeden Tag das volle Programm in Plastiktüten vor die Zimmertüre gelegt. Ein großes sowie ein kleines Handtuch, ein frischer Yukata, eine neue Zahnbürste mit Mini-Tube Zahnpasta, ein neuer Rasierer, sowie eine Flasche Wasser. Und da wir zwei Personen im Zimmer waren, gab es das Ganze auch noch doppelt!

Neben der zusätzlich folgenden Bettwäsche alle drei Tage fiel somit einiges an Zeug an, was wir gar nicht nutzen konnten bzw. wollten. In der zweiten Woche haben wir daher begonnen, mit nächtlich drapierten Zetteln neue Handtücher und unnötige Zahnbürsten abzulehnen. Vergaß man den Zettel, gab es wieder die volle Ladung an Badequipment.

Das Toilettenpapierdrama

So ironisch und bescheuert es auch klingen mag – Toilettenpapier zu bekommen war ein Kraftakt. Obwohl man jeden Tag völlig unnötig mit Handtüchern, Zahnbürsten und Rasierern überschüttet wurde, wurde an einer elementaren Stelle geknausert – Toilettenpapier.

Auch wenn die Hoteltoilette ein modernes japanisches Modell war, und eine Wasser-Dusche für vorne und hinten enthielt, nutze ich doch noch sehr gern Toilettenpapier, um den wassernassen Popo zu trocknen, bevor es zurück in die Kleidung geht. Und dafür war Toilettenpapier essentiell notwendig.

Unser erster Versuch, neues Toilettenpapier zu erhalten, verlief einfach und wie man es erwarten könnte – eine leere Rolle wurde Abends vor dem Zimmer platziert, und nach dem Zimmerservice stand eine neue bereit. So weit, so gut. Doch bereits beim zweiten Mal funktionierte das nicht mehr. Leere Rolle weg, keine neue Rolle da. Und auch das dritte Mal – Fehlanzeige.

Was also tun, um an die so heißbegehrte Lockdown-Währung Deutschlands ran zu kommen? Funktioniert haben zwei sehr simple Lösungen. Einmal einfach am Empfang anrufen – eine Lady in vollem Kostüm und überperfekter japanischer Manier kam direkt zu unserem Zimmer, um uns die Rolle Klopapier zu überreichen. Peinlich, aber effektiv und schnell. Die dezentere Lösung – auf einen Zettel schreiben, dass man gerne Klopapier hätte, und diesen dem Zimmerservice hinlegen. Auch wenn das verwendete Japanisch vermutlich grammatikalisch katastrophal falsch und unhöflich war, hat es doch funktioniert. Yay!

Sport mal anders

Als einen großen Vorteil unseres großen Zimmers stellte sich der relativ großzügige Gang dar, den wir täglich für unterschiedliche Sportaktivitäten nutzen. Die Breite reicht gerade so, um sich für eine Liegestütze oder andere Core-Workouts auf den Boden zu legen, sowie für etwas restriktieve Tanzaktivitäten. Das war aber mehr als genug, um den sonstigen Bewegungsmangel zumindest etwas ausgleichen zu können, und den Körper etwas ins Schwitzen zu bringen.

Gerade für die Zeit der Quarantäne hatte ich mir einen Monat „Just Dance Unlimited“ gekauft, der es einem ermöglicht, auf allen Just Dance Plattformen die über 500 Songs aller vergangenen Spiele nochmal zu erleben. Obwohl wir die Switch mit einer physischen Just Dance 2020 Version dabei hatten, wollte ich dennoch meine eigenen Geräte etwas testen – und siehe da, es hat funktioniert. Mit dem iPad als Monitor und dem iPhone als Controller wurde der Gang zur Tanzbühne.

Etwas Anpassung war dennoch gefragt, denn ein Tanzspiel wie Just Dance geht von etwas mehr Bewegungsfreiraum als 1×1 Meter, mit niedriger Deckenhöhe, aus. So mussten große Armkreisel, Bewegungen nach vorne oder hinten, sowie Fauststöße und Kicks eben etwas limitiert werden. Case sei Dank störte es das iPhone nicht, wenn es doch mal eben gegen die Wand oder den eigenen Dickschädel gedonnert wurde, was aufgrund meiner Tollpatschigkeit (oder dem Tanz-Enthusiasmus? Schieben wir es auf den Enthusiasmus!) auch hin und wieder vorkam… uups!

Der Alltag… undso

Dem ein oder anderen aufmerksamen Beobachter wird aufgefallen sein – in den Zimmern gibt es nur einen Stuhl. Und auch die „Schreibtisch“ Vorrichtung ist nicht wirklich das, was man groß und weiträumig nennen würde.

Um uns dennoch im Platz zu arrangieren, wurde eine sehr einfache Absprache getroffen – Fabi hatte das Stuhl- und Tisch-Recht, und konnte sich da mit Laptop und Technik ausbreiten. Ich übernahm derweil mein Bett als Sitz- und Lümmelgelegenheit, und hatte die Steckdosen am Kopfende für mich.

Der Vorteil für mich war auch nicht gerade klein – durch den rollbaren Stuhl am Bettende hatte Fabi alle Bewegungsmöglichkeiten, meinen Müll direkt in den Mülleimer zu befördern, oder mir neue Getränke aus dem Kühlschrank zu reichen. Da musste nicht nicht mal aufstehen dafür! Hah! Wenn das kein Luxus ist…

Aufgestanden wurde aber natürlich trotzdem. Wäre ich wirklich 14 Tage nur auf dem Bett rumgesessen, hätte sich mein Rücken lautstark beklagt. Zum Glück gab es da die nette Watch am Handgelenk, die jede Stunde dazu aufforderte, sich doch mal zu erheben, und zumindest ein paar wenige Schritte im Zimmer auf und ab zu gehen.

Pakete und Essen werden geliefert

Während unserer zwei Wochen im Hotelzimmer erhielten wir zwei Mal Pakete geliefert. Das eine war ein wunderbar süßes „Willkommen in Japan“ Geschenk von guten Freunden aus Deutschland, die uns über Amazon Japan zwei Bücher schicken liesen. Dabei handelt es sich um eine Art Bilderwörterbuch, welche thematisch sortiert die japanischen und englischen Vokabeln illustrieren. Das ermöglicht es, bei Bedarf während einem Gespräch auf das Bild bzw. den japanischen Begriff zu zeigen, oder das Buch auch als Lernmöglichkeit zu nutzen, um das eigene Wort-Repertoire etwas auf zu bessern.

Unsere zweite Lieferung war unser WIFI Hotspot Router, welchen wir im weiteren Verlauf der Reise als primäre Internetquelle nutzen werden. Da dieser aber beim Check-Out noch jungfräulich im Rucksack lag und erst jetzt Anwendung findet, wird er an anderer Stelle nochmal beleuchtet werden.

Beide Lieferungen waren super simpel und problemlos. Während wir bei der ersten selbst ja gar nichts machen mussten, da unsere Freunde das Paket an uns addressierten, konnten wir dank Google Maps sehr einfach die Hoteladresse herausfinden, und diese dem WIFI Provider im Formular übermitteln. Ein Kurzer Hinweis im Kommentarfeld mit dem Titel „APA HOTEL“ sowie zwei Tage später, schon war das Päckchen da.

Da wir selbst das Zimmer ja nicht verlassen durften, rufte uns in beiden Fällen der Empfang über das Zimmertelefon an, informierte über das eingetroffene Päckchen, und fragte, ob es jetzt denn passen würde, wenn sie es hochbringen würden. Den Empfang der Lieferungen bestätigte man auf Papier, und schon war die Sache gegessen.

Frischluft ist Luxusgut

Wenn man zwei Wochen in einem Raum eingeschlossen ist und darin auch noch Sport macht und müffelt, ist ein Faktor doch sehr wichtig – Frischluft. Und diese war scheinbar ein Luxusgut, deren man dankbar sein musste. Daher liesen sich alle Fenster des Hotels immer nur einen Spalt breit öffnen, was aber Gott sei Dank für einen guten Stoß Frischluft ausgereicht hat.

Doch all das nimmt man gerne in Kauf, solange man überhaupt ein öffenbares Fenster hat. Denn einer der anderen Hotelbewohner, mit denen wir Kontakt hatten, konnte seines überhaupt nicht öffnen. Ein absoluter Horror, wenn ich nur daran denke, 15 Tage lang Klimaanlagenluft atmen zu müssen…

Dinner Deluxe

Apropos Essen… Während unsere primäre Essensquelle die Lebensmittellieferungen von World Unite darstellten, hatten diese doch ein Problem – alles gelieferte Essen war kalt. Und damit will ich jetzt nicht sagen, dass das Essen schlecht war – das auf gar keinen Fall! Japanisches kaltes Supermarktessen ist auf so einem super guten, leckeren, und dann auch noch günstigen Niveau – das können wir in Deutschland uns gar nicht vorstellen!

Aber trotz der guten Qualität – irgendwann in diesen zwei Wochen möchte man doch auch einfach etwas frisches und warmes zu sich nehmen. Und so skurril es klingen mag – Instant Nudelsuppen, wenn auch warm, befriedigen diese Lust nur sehr wenig bis gar nicht.

Daher blieb nur noch eins übrig – bei UberEats (im Prinzip das „Lieferando“ Japans) von Restaurants in der Umgebung Essen auf das Zimmer liefern lassen. Das haben wir auch dreimal genutzt: Einmal für japanisches Essen von Ootoya, einmal für Burger von McDonalds, und einmal für Pizza von Dominos.

Das japanische Essen bei Ootoya war super lecker. Frisch, lecker, schnell da. Die Restaurantkette kannten wir sowieso von vorherigen in-Persona-Besuchen bereits, daher gab es hier keine allzu großen Überraschungen.

Unsere McDonalds Burger waren so eine spontane „ach da hab ich jetzt Lust drauf“ Nummer, mit der man einfach Mal schauen wollte, wie denn die Qualität so ist, und was man für sein Geld bekommt.

Die letzte warme Lieferung war Pizza von Dominos. Das hatten wir uns als Ausgleich dafür überlegt, dass ich meinen Geburtstag eingesperrt auf einem Hotelzimmer verbringen durfte – einfach, um den Tag doch etwas hervorzuheben.

The end…?

„Wie jetzt“, höre ich euch klagen. „Das war alles?“ „Ich will noch mehr Essensberichte!“ fordert ihr? Na, dann freut euch doch schonmal auf den nächsten Artikel… 🙂

Kategorien: 2020japan

mangakania

Manga-Fanatikerin und langjährige Anhängerin von Japan, Japanisch und allem was dazu gehört!

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