Deutschland, 6 Uhr 30. Der Wecker klingelt. Nach einer relativ kurzen Nacht heißt es jetzt: aufstehen, richten, und los geht’s!

Die meisten und wichtigsten Sachen wurden im Laufe der letzten Tage erledigt. Die Koffer sind daher bereits gepackt, die Technik geladen und gerichtet, alles organisatorische erledigt. Trotzdem werden die Todo-Listen, Checklisten und Packlisten wieder und wieder durchgegangen. Sind auch wirklich alle Stecker gezogen? Der Kühlschrank ausgestellt? Der Müll rausgebracht? Alle notwendigen Reiseunterlagen ausgedruckt? Die Mappen gehen auf, die Dokumente werden geprüft, man packt sie wieder weg. Dasselbe wiederholt sich vor der Abfahrt noch zwei Mal.

Als die Koffer und das Handgepäck im Auto verstaut sind, heißt es von Zuhause und der Familie Abschied nehmen. Freunde und das größere Familienumfeld wurden bereits vor Tagen, wenn nicht Wochen das letzte Mal besucht oder gesprochen. Große persönliche Verabschiedungen am letzten Tag sind mit Corona natürlich nicht drin, das ist einem bewusst, aber trotzdem etwas traurig. Nur unsere Mütter begleiten uns zum Flughafen – so viel muss sein!

Am Flughafen angekommen heißt es zu aller erst: Maske aufsetzen. Diese wird uns bis zum betreten unseres Hotelzimmers in Japan begleiten, vorher absetzen ist nur zum Essen und Trinken erlaubt. Zum Glück haben wir (wie auch empfohlen) gleich ein paar Masken pro Person eingepackt, um alle paar Stunden mal eine frische, nicht feucht geatmete Maske aufsetzen zu können.

Gähnende Leere am Flughafen?!

Wie geplant sind wir zwei Stunden vor Abflug am Flughafen angekommen. Der erste Eindruck ist ungewohnt und gespenstisch. Obwohl es bereits 9 Uhr ist, sind wir so gut wie allein. Von den vierzig-oder-so Schaltern sind gerade einmal drei besetzt. Ein Pärchen sitzt auf einer Bank in der Nähe und redet miteinander. Die Security-Handgepäck-Kontrolle ist ausgestorben, lediglich ein paar Mitarbeiter stehen in kleinen Grüppchen zusammen. Bis die Gepäckaufgabe um 9:30 tatsächlich öffnet, finden sich immerhin noch etwa 15 weitere Personen ein, die unseren Flug nach Amsterdam teilen werden.

Als das Gepäck weg ist, geht es zur Security. Und damit heißt auch unseren Müttern Tschüss sagen, ein letztes Drücken gehört dazu. Das Auspacken des Handgepäcks ist bei der Security so entspannt wie noch nie. Es ist niemand vor oder hinter uns, wir können uns alle Zeit der Welt lassen. Das Personal plaudert gerne mit uns, sagen sie hätten wirklich gerne mehr Durchlauf. Kein Wunder, immerhin geht am Stuttgarter Flughafen laut der Displays heute pro Stunde nur maximal ein Flug. Falls die alle so leer sein sollten wie unserer, heißt das pro Stunde maximal 50 oder so eintreffende Reisende. Gefühlt war das zuvor der Security-Durchsatz in 5 Minuten, begleitet von langen Schlangen und einem wuseligen Treiben.

Hinter der Security ist das Abfluggate schnell gefunden, auch hier herrscht gähnende Leere. Immerhin perfekt für Fotos und zum rumalbern! Stück für Stück kommen unsere Mitreisenden auch zum Gate, wodurch zumindest ein bisschen das Gefühl von Normalität aufkommt.

Die Nervosität hält sich bei mir noch in Grenzen. Unsere Flüge werden stattfinden, das beruhigt schon sehr. Aufgrund der geringen Ausbuchung der Sitzplätze hatten wir bis zum Tag vorher noch befürchtet, der Flug würde gestrichen werden. Daher sind jetzt eigentlich nur noch zwei große Unsicherheitsfaktoren im Spiel – der Coronatest, der bei der Ankunft am Tokioter Flughafen gemacht wird, sowie das Formular unseres vor-Abflug Tests.

Wieso wir wegen dem Test auch jetzt noch unsicher sind, obwohl wir den Laborbescheid mit „Ergebnis: negativ“ in den Händen halten? Nun, das werde ich euch im nächsten Beitrag separat erzählen, denn da lief (und läuft) einiges schief…

Der erste Flug

Nach dem Boarding um 11:25 hob unser Flieger um 11:45 ab in Richtung Amsterdam. Da es sich bei diesem Teil der Reise nur um einen kleinen Cityhopper handelte, und wir auch nur eine Stunde in der Luft waren, gab es zur Verpflegung lediglich einen kleinen Kuchen als Snack zwischendurch. Lustig fand ich das Getränkeangebot – das Wasser wurde in einem Plastikschälchen ausgegeben, der Orangensaft kam gekühlt aus der Dose.

Die Landung um 12:30 wurde von zwei Durchsagen der Crew begleitet: die erste Info war, dass wir noch eine ganze Weile rollen würden, da die Landebahn sehr weit vom Flughafen entfernt war. Wir sind daher 10 Minuten durch die Pampa und über Autobahnen(?) oder zumindest über Straßen gerollt, bis der Flughafen erreicht war.

In der zweiten Meldung wurde gebeten, dass man nach der Ankunft sitzen bleibt und der Ausstieg beginnend von Reihe eins ganz vorne (am Ausgang) Reihe für Reihe mit Corona gerechtem Abstand durchgeführt wird. Wie gut das ganze geklappt hat, kann sich jeder vorstellen, der jemals geflogen ist… (Hier bitte genervtes Augenrollen der Autorin vorstellen.)

Amsterdam

Verglichen mit der Flugverbindung über Warschau, welche wir 2018 und 2019 genutzt haben, hatten wir in Amsterdam nur 1,5 Stunden Umstiegszeit. Diese wurde durch die doch etwas langsame Ausstiegsprozedur nochmal etwas verkürzt, wodurch etwa 50 Minuten blieben um Pause zu machen, und das nächste Gate auf zu suchen.

Die Zeit nutzten wir mit einem Zwischenstopp bei Burger King. In Warschau hatte sich der Besuch bei McDonalds bereits etabliert, da man dort am Display bestellen und kontaktlos bezahlen kann. Leider war die Burger Qualität nicht wirklich überragend, was ich auf das ungewöhnlich niedrige Fluggastaufkommen schiebe. Man konnte beim Belegen der Burger zum Beispiel gut beobachten, dass die Patties schon vorgebraten aus einer Warmhaltemaschine genommen wurden. Wäre mehr los, wären diese sicher frischer und dadurch wärmer gewesen.

Eine kurze Passkontrolle später hatten wir den Ankunfts- und Speisebereich hinter uns gelassen, und durften gefühlt einmal durch den gesamten Amsterdamer Flughafen laufen, um unser nächstes Gate zu erreichen. Etwas schade war, dass die Laufbänder, die solch lange Distanzen unterstützen, ausgeschalten waren. Auf denen laufen ist doch schon immer irgendwie lustig und etwas Besonderes, immerhin wird man damit so schnell!

Die kurze Zwischenstoppdauer hatte immerhin zu Gute, dass das Boarding gerade lief, als wir am Gate ankamen, und man nicht noch länger rumsitzen und warten musste.

Let it fly

Mit unserem Take Off um 14:40 hieß es dann – bequem machen, und die Zeit irgendwie rum bringen. Ich hatte vorsichtshalber von diversen Streamingplattformen Musik, Filme, und Serien sowie ein paar Bücher heruntergeladen, sollte alles schief gehen.

Etwas besonders war die Sicherheitsunterweisung im großen Flieger. KLM hat sich diese von einem berühmten Fliesenmaler(?) visualisieren lassen, und mit hunderten Fliesen animiert.

Zu meiner Freunde hatte das Boardkino jedoch genug Auswahl, um die elfstündige Flugzeit zu unterhalten. In meinem Fall hieß das:

  1. Frozen 2 (auf Japanisch) – kannte ich bereits, wollte jedoch wissen, wie gut ich ihn auf Japanisch verstehe. War zufrieden, wie gut das ging, und Frozen ist ja eh immer lustig anzusehen.
  2. The Nightingale (auf Englisch) – eingeordnet als Indie Thriller/Horror begleitet man eine junge Strafgefangene im Jahr 1825, deren Kind und Mann während ihrer Vergewaltigung vor ihren Augen getötet werden, und die danach mit einem Schwarzen als Spurensucher aufbricht, um die Mörder und Vergewaltiger zu richten. Ich war insgesamt gefesselt vom Film („begeistert“ passt im Bezug zu den behandelten Themen eher weniger), der mir wieder einmal zeigt, wie verdammt gut es uns heute doch geht.
  3. Wreck it Ralph 2 (auf Japanisch) – auch diesen Film kannte ich vorher bereits, daher diente er als „lockere Kost“ nach The Nightingale, und als weitere Japanischübung. Außerdem liebe ich das Disney Prinzessinen Crossover sowie die ganzen kleinen Anspielungen auf andere Franchises und das Internet, die dieser Film so enthält.
  4. The Good Liar (auf Englisch) – ist ein Krimi-Thriller, der den letzten großen Coup eines Trickbetrügers zeigt, der eine einsame Witwe austricksen möchte, und bei seinen Coups vor nichts zurück schreckt. Der Twist am Ende war für mich seit Minute 0 klar, da Helen Mirren die weibliche Hauptperson spielt, und für sie eine „einfach nur reine, süße, unschuldige und dumme Witwe“ einfach nicht passt. Die Hintergründe, warum die Hauptcharaktere so handeln, wie sie es tun, fand ich jedoch spannend mit zu verfolgen.

Als Verpflegung gab es im Flieger diesmal drei „Gerichte“. Zuerst ein warmes vegetarisches Nudelgericht mit viel zu süßem Nachtisch um 15:35 Uhr (deutsche Zeit). Dies ist als Abendessen anzusehen, obwohl es relativ kurz nach dem Mittagessen kam, da wir direkt danach in die Nacht rein flogen, und erst kurz vor der Landung die Sonne wieder aufging.

Etwa um 18 Uhr folgte eine enorm umfangreiche Snacktüte mit Müsliriegel, Schokolädchen, Keksen, und – wieso auch immer – einem Stück Käse. Um Mitternacht (weiterhin deutsche Zeit) folgte eine Stunde nach Sonnenaufgang auch bereits das Frühstück – ein warmes Käsecroissant.

Das Chaos namens Corona-Prozesse

Um 1:47 (deutsche Zeit) war es dann endlich soweit – unser Flieger landete in Tokio Narita. Wie schon beim Flug zuvor funktionierte das „koordinierte, mit korrekten Abständen“ Aussteigen wieder überhaupt nicht. Da wir aber keinen Anschlussflug mehr vor uns hatten, war uns das eh egal, und wir liesen uns Zeit.

Die erste Station nach dem Ausstieg war eine Art Zwischenhalt, bei dem viele Japaner um uns Ankömmlinge herumwuselten, um bei jedem zu prüfen, ob man alle notwendigen Formulare mitgebracht bzw. im Flugzeug erhalten, und korrekt ausgefüllt hatte.

Direkt danach (2:15 Uhr deutsche Zeit) ging es auch schon an die Corona Teststation. Hier musste man eine Virale bis zu einem bestimmten Strich mit Speichel füllen, der dann analysiert wurde. Da man direkt vor dem Test nichts trinken durfte, und wir gefühlt einige Kilometer zum Testort laufen mussten, war mein Mund furztrocken. Ich kann kaum beschreiben, wie frustrierend es war, mit Hals- und Backenmassagen zu versuchen, doch noch ein paar weitere Tropfen Speichel zusammen zu bekommen, um die notwendige Menge zu erreichen. Während dem vorherigen Dokumente ausfüllen sowie dem danach folgenden auf das Ergebnis warten hatte ich Literweise Sabber im Mund, aber in diesen fünf Minuten, in denen es man es gebraucht hätte… nichts. Hmpf!

Nach dem Fläschchen-Vollsabbern ging es dann noch an eine weitere Dokumentenprüfung, die gefühlt dreimal so lange gebraucht hat, wie sie es hätte müssen. Diverse Unterlagen wurden mehrfach in unterschiedlichen Kombinationen zusammen getackert, nur um dann wieder von ihrer Nadel befreit, und neu zusammen getackert zu werden. Was auch immer das alles sollte..?

Um 2:38 Uhr (deutsche Zeit) bzw. 10:38 (japanische Zeit) waren wir dann endlich fertig geprüft im Wartebereich des Coronatests. Nach offiziellen Angaben kann hier eine Wartezeit von bis zu sechs Stunden anfallen, was uns Gott sei Dank erspart blieb. Um 11:20 Uhr wurden wir aufgerufen, um als offiziell Corona-Negative weiter fortfahren zu können.

Corona negativ

Japanischen Boden betreten

Nach dem Test ging es direkt zur Passkontrolle. Während wir hier letztes Jahr eine halbe Ewigkeit (eine Stunde…) in der Schlange warten mussten, konnten wir diesmal sofort durch leere Absperrbandreihen laufen, und direkt an die Schalter treten. Immerhin kamen diesmal auch statt einer bzw. sogar mehreren großen Flugzeugladungen nur eine einzige Maschine innerhalb von ein bis zwei Stunden an, wovon nur knapp ein Drittel der Plätze belegt war, wovon nur ein Teil tatsächlich nach Japan einreisen wollte, wovon immer so fünf bis sieben Personen auf einmal aus dem Coronatest raus kamen.

Um 11:40 waren wir somit offiziell in Japan eingereist! Juhu!

Die Erleichterung in diesem Moment war wirklich gigantisch. Nach all den Enttäuschungen und Absagen seit März; der Unsicherheit seit September, ob es überhaupt jemals noch etwas wird mit unserer Reise; dem organisatorischen Chaos und Unwissen, seit die Beantragung wieder möglich war… nach all diesem Bangen und Zweifeln und Chaos haben wir es geschafft. Mit der Residence Card in der Hand konnten wir endlich die japanische Grenze überschreiten.

Unsere Koffer lagen alle neben dem Förderband herum, da immerhin schon zwei Stunden seit der Landung vergangen waren. Neben einigen Dellen und Schleifspuren haben sie die Reise gut überstanden. Die letzte Prüfung und Befragung, ob und was man ins Land einführen würde, war super schnell erledigt, und wir konnten endlich in den öffentlich zugänglichen Bereich des Flughafens treten.

Der letzte Schritt

Zu allererst kam natürlich das Wichtigste – ein kleiner Stopp beim Flughafen internen MiniStop, einem sogenannten „Konbini“ (Convenience Store, kleiner Supermarkt). Mit Onigiri (Reisbällchen) und Getränken ausgestattet warteten wir auf unseren Transport. Da wir als frisch eingereiste Ausländer scheinbar selbst nach zwei Coronatests immer noch ein Risiko darstellen, durften wir nämlich keine öffentlichen Verkehrsmittel (Bus, Bahn, Taxi) nutzen, sondern mussten abgeholt werden. (Ein Mietauto wäre vermutlich auch gegangen? Aber das hätte man ja auch mieten, zahlen, und parken müssen…)

Eine Stunde nach unserer „Einreise“ kam unsere World Unite Abholperson am Flughafen an, und wir konnten um 13:05 endlich den Flughafen verlassen. Mit dem Auto ging es dann direkt nach Tokio, was etwa eineinhalb Stunden Fahrt bedeutet. Zeitlich passte das alles wie Faust auf Auge, denn wir kamen um 14:22 Uhr am Hotel an, und ab 15:00 Uhr war unser Zimmer bereit.

Im Zimmer durften wir auch zum ersten Mal unsere Masken abnehmen, was wir mit Freuden taten. Etwas Einrichtung und Frisch-Machung später hieß es jetzt nur noch die Zeit bis zum Abend tot zu schlagen. Als Ankunfts-Dinner haben wir uns direkt eine Nudelsuppe gegönnt – immerhin ist der Wasserkocher auf dem Hotelzimmer dafür ja prädestiniert!

Abendessen, klassisch

Völlig groggi endete der Tag bereits um 21 Uhr. Seit dem Aufstehen (~6 Uhr deutsche Zeit) waren wir etwa 31 Stunden auf den Beinen, davon 22 Stunden mit Maske an und in Flughäfen und Flugzeugen.

Wie es jetzt weiter geht

Ein ganzes Stück weiter oben hatte ich kurz die neu notwendige Quarantäne erwähnt. In dieser befinden wir uns jetzt. Da der Anreisetag (03.12.2020) nicht als Quarantänetag zählt, beginnen die 14 Tage offiziell ab Morgen bzw. Freitag. In dieser Zeit dürfen wir unser Hotelzimmer nicht verlassen, und müssen täglich unsere Temperatur sowie unser generelles Wohlbefinden melden.

Verpflegung bekommen wir geliefert bzw. können wir bestellen (dazu folgt natürlich auch noch ein oder mehrere Berichte), und für die Beschäftigung müssen wir brav selbst sorgen.

Für die Zeit nach der Quarantäne ist bereits einiges organisiert, eine Wohnung ist gebucht, eine zweite bis Februar wird sehr bald folgen. Was wir genau wir nach den vierzehn Tagen tun werden, und wohin genau wir danach reisen werden, wird aktuell noch geplant, und wird als Berichte folgen, sobald es sich ergibt.

Fürs erste sind wir erfolgreich angekommen und eingereist, und das ist doch schon einiges Wert.

Kategorien: 2020japan

mangakania

Manga-Fanatikerin und langjährige Anhängerin von Japan, Japanisch und allem was dazu gehört!

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