Im ersten Teil der Overlord Reviews betrachten wir Manga und Light Novel Band 01, die den Auftakt des Fantasy-Isekai-Titels beinhalten. Folgt Momonga in die Spiele-Welt YGGDRASIL, und verfallt der Faszination von grotesken Wesen und einem Anti-Helden als Hauptcharakter!

Die Handlung

23 Uhr 59 Minuten und 59 Sekunden im Jahre 2138. Bis zu diesem Moment war der Spieler Suzuki Satoru im DMMO-RPG (Dive Massively Multiplayer Online Role Playing Game) YGGDRASIL eingeloggt. Es ist der letzte Tag, an dem die Server des ehemals populären Spiels online sind – um Mitternacht werden sie nach zwölf Jahren Laufzeit abgeschalten. Ein letztes Mal begeht er die inneren Räume der Großgruft von Nazarick, dem Hauptsitz der Gilde Ainz Ool Gown, und sinniert über seine Freunde, mit denen er diese wunderbare Zeit verbracht, dieses beeindruckende Gebäude erbaut hat. Doch keiner der anderen Spieler ist anwesend, sie alle sind vor Jahren in den „Alltag“ zurückgekehrt. Umgeben von NPCs (Non-Playable Character) schließt Satoru im „Körper“ seines Charakters Momonga ein letztes Mal die Augen …

… und öffnet sie um 00:00:01 wieder, ohne in die Realität zurückgekehrt zu sein. Erste Tests bestätigen – das Spielemenü mit der Logout-Funktion ist nicht aufrufbar, Nachrichten an Spiele-Administratoren scheinen nicht zu funktionieren. Doch etwas ist anders – ganz anders, als es im Spiel YGGDRASIL der Fall gewesen wäre. Alle NPCs sprechen und handeln, als hätten sie ein eigenes Bewusstsein! Und während im Inneren von Nazarick so scheint, als wäre alles gleich geblieben, ist die Gruft plötzlich inmitten einer rießigen Steppe statt eines Sumpfes!

Stück für Stück muss Satoru sich im Körper von Momonga, einem Overlord (finale Charakter-Form des Lichkönigs bzw. Skelettmagiers) mit der neuen Situation zurecht finden. Was ist mit YGGDRASIL bzw. Nazarick passiert? Wo ist er gelandet? Ist er noch in einem Spiel, oder ist dies eine Form der „Realität“? Kann er zurück? Möchte er überhaupt zurück? Ist er alleine hier? Was soll er als nächstes tun, und wie kann er sein Überleben sichern …?

Mein Review

Der Beginn von Overlord wird viele an den Isekai-Titel der letzten Jahre – Sword Art Online – erinnern. Doch so ähnlich er auf den ersten Seiten auch sein mag, so schnell weicht Overlord auch wieder von seinem Vorgänger ab. Denn es wird sehr schnell klar, dass – wo auch immer es Nazarick hinverschlagen hat – nicht mehr innerhalb des Spiels YGGDRASIL ist, und Momonga ist darin auch nicht gefangen. Zudem entscheidet der Mensch Satoru gleich zu Beginn, dass es für ihn kein Ziel ist, „nach Hause“ zurück zu kehren – denn dort hin zieht ihn nichts zurück.

Der erste Band beider Formate – Manga und Light Novel – befässt sich daher sehr ausführlich mit der Einleitung in diesen magischen Fantasy-Epos. Wer ist unser Hauptcharakter, was sind seine Hintergründe, und wieso entscheidet er sich für den Weg, den er am Ende von Band 1 groß verkündet. Zudem wird die neue Welt vorgeführt, mit der sich Nazarick nun auseinander setzen muss, erste Bewohner und Regeln werden Stück für Stück vorgestellt.

Ein großer Charme-Faktor der Overlord Welt ist für mich daher gerade im Anfang zu finden. Viele andere Isekai-Titel werfen ihre Hauptpersonen ohne Vorbereitung in eine völlig fremde Welt, meist voller Magie, fantastischer Wesen, und ganz eigenen gesellschaftlichen Strukturen. Und dort finden sie sofort Anschluss, werden mit oftmals heroischen Fähigkeiten ausgestattet, und zu Helden aller, welche die bösen eindringenden Monster vernichten.

Nicht so in Overlord. Hier ist unser Hauptcharakter rein wegen seines Wesens bereits auffällig – ein rießiges Skelett mit drückender, magischer Aura, das eine Totengruft voller grotesker Monster und Untoten anführt. Als menschliche Stadt oder Königreich ist hier sicher nicht der erste Gedanke „Lasst uns Freunde werden!“. Und dessen ist sich Momonga auch bewusst, sind seine ersten Maßnahmen doch ganz rational die Sammlung von Informationen (Wo sind wir? Wer sind unsere Nachbarn? Ist innen alles okay? Wie funktioniert Magie in dieser Welt?) und die Sicherung seines Gildenhauptquartiers.

Und während ich den weiteren Teilen des Reviews für spätere Bände nichts vorweg nehmen möchte kann ich dennoch guten Gewissens sagen – diese Spannung, der Nervernkitzel, das Kalkül – alles bleibt über die Serie hinweg bestehen, wird eher sogar noch besser als es im ersten Band bereits dargestellt wird.

Ein bisschen Spaß muss sein

Auch wenn Overlord ein primär dunkles Fantasy-Abenteuer ist, bei dem wir Grotesken und Skeletten folgen, die auch menschliche Verluste für ihre Ziele in Kauf nehmen, muss doch ein Aspekt der Reihe noch erwähnt werden – die Comedy. Denn daran mangelt es ganz gewiss nicht. Ein dauerhafter Renner für die Lachmuskeln sind beispielsweise Missverständnisse zwischen Momonga und seinen Bediensteten. Gerade Albedo (deren Charakter er blöderweise so angepasst hatte, dass sie ihn abgöttisch liebt, ihm überall hin folgt, und alles für ihn tun würde) als auch Demiurge und die anderen Wächter der Gruft preisen Momonga als gar göttliches Wesen an, das alles versteht, und einen großen gezielten Plan hat.

Dabei ist Momonga voll damit beschäftigt, nicht entgeistert und perplex mit offenem Mund da zu stehen, wenn der Meister der Schemen Demiurge den anderen „weniger klugen“ Bediensteten den grandiosen Meisterplan erläutert, den Momonga sich ausgedacht haben soll – auch wenn der Strippenzieher selbst immer zum ersten Mal davon hört.

Viele weitere Settings der Serie ermöglichen weitere Verschnaufpausen und diverse Lacher – so sind alle NPCs ihren menschlichen Schöpfern beispielsweise sehr ähnlich, wenn es um Streitereien und Feindsehlichkeiten untereinander geht.

Ein Schmankerl für die Augen

Grafisch beginnt der Manga aus der Feder von Miyama Fugin von Anfang an ansprechend, auch wenn einzelne Panels und Körperteile noch etwas klobig wirken. Nicht zuletzt durch die unzähligen verschiedenen Arten von sauber ausgearbeiteten grotesken Wesen fällt es leicht, die Einwohner Nazaricks von den normalen Menschen der neuen Welt zu differenzieren, ihre unterschiedlichen Typen zu erahnen. Und auch die „normalen“ Menschen sind gut ausgearbeitet und visuell ansprechend. Während Hintergründe auf manchen Seiten rar sind, um die Teilnehmer diverser Dialoge in den Vordergrund zu stellen, sind alle verfügbaren Hintergründe und Orte sehr treffend gezeichnet.

Die Novel wird lediglich zu Beginn eines jeden Kapitels von Illustrationen des koreanischen Zeichners so-bin geprägt – ansonsten gibt es ein koloriertes Ausklapp-Poster am Anfang. Die Illustrationen des Buchcovers und der Kapitel erinnern mich mehr an Gemälde, die in Kunstgallerien ausgestellt sein könnten, als an reguläre schwarz-weiß Manga mit lieblichem Comic-Stil. Sie betonen zudem den etwas düsteren, mysteriösen Fantasy-Aspekt der Reihe, und sind bewundernswert detailliert ausgearbeitet. Ich selbst kann die Bilder minutenlang anschauen und immer neue Details entdecken, die zum entsprechenden Handlungsstrang des Bandes passen.

Unterschiede zwischen Manga und Light Novel

Inhaltlich sind Light Novel Band 01 und Manga Band 01 meiner Meinung nach als gleich anzusehen. Natürlich vermittelt die Novel (welche das Ursprungsformat ist, mit dem Overlord angefangen hat) im Text viel mehr Details – Beschreibungen der Umgebung, der Charaktere, der Magie, und innere Monologe bzw. Dialoge. Doch der Manga hält dabei gut mit, vermittelt in Bildform alles, was nötig ist, um Situationen und Entscheidungen nachvollziehen zu können.

Ein kleines bisschen anders (aber in Band 01 noch nicht wirklich auffällig / relevant) ist die Anordnung der Geschehnisse. Die Novel beginnt beispielsweise bereits mit dem Überfall auf das Dorf Carne und Momongas Rettungsaktion von Enri und Nemu, bevor auch nur ein Wort über Satoru, Momonga, oder das Spiel YGGDRASIL verloren wurde. Auch während Momonga Nazarik inspiziert und sich ein Bild der Lage verschafft, wird immer wieder der Fokus auf Carne und die dortigen Geschehnisse gelenkt. Der Manga steigt in diesen Handlungsabschnitt ab Kapitel 2 ein und folgt der Vorgabe inhaltlich treu.

Ausstattung

Der Manga ist ein reguläres Taschenbuch von 18 x 12,5 cm und enthält vier Manga Kapitel sowie ein Roman-Special am Ende des Bandes. Die erste Manga-Seite sowie das doppelseitige Coverbild von Kapitel 1 sind zudem als Farbseiten gedruckt. Das Roman-Special in deutscher Leserichtung beschreibt eine Szene zwischen Albedo, Shalltear, und Mare, die sich über Albedos Rüstung und deren fehlende sexy Weiblichkeit unterhalten. (Dieses Kapitel ist aus der Manga-Blu-Ray-Box 1 und heißt „Viel Lärm.. um gar nichts?!“ bzw. „Drama of Three Ladies“ im Original.)

Die (englische) Light Novel ist ein vollkommen schwarzes Hardcover Buch, dessen Rücken lediglich eine leichte wiederum schwarze Prägung hat, welche den Titel, die Nummer, und den Autor des Bandes führt. Eingeschlagen ist der Band in einem Schutzumschlag mit einer Illustration von so-bin auf der Vorderseite und dem kurzen Text „The world is all yours.“ neben einem Skelett auf der Rückseite. Neben dem Prolog, den fünf Kapiteln, und dem Epliog, enthält der Band zu Beginn ein ausklappbares vollcoloriertes beidseitiges Poster, sowie die Charakterprofile 01 – 04 (Momonga, Albedo, Aura, Mare) und nicht zuletzt ein persönliches Schlusswort des Autors.

Light Novel oder Manga?

Als Empfehlung würde ich auf die Novel verweisen, ist sie doch einfach so unglaublich spannend, lustig, und detailliert geschrieben. Viele Nuancen und Kurzdialoge zwischen „Seitencharakteren“ bekommen im Manga weniger Aufmerksamkeit, was einfach dem Format zu Schulde kommt. Nichts desto Trotz verpassen Leser des Manga inhaltlich nichts, wenn sie die Novel nicht kennen. Und für die Augen sind die Zeichnungen von Miyama Fugin definitiv ein Augenschmaus.

Einordnung im Overlord-Universum

Story-ArcMangaLight Novel
01Der Untote KönigBand 01 – K 01 – 04Band 01
02Der Dunkle KriegerBand 02 – K 05 – 07
Band 03 – K 08 – 09
Band 02
03Die Blutige ValkyreBand 03 – K 10
Band 04 – K 11 – 13
Band 05 – K 14
Band 03
04Die Echsenmenschen HeldenBand 05 – K 15 – 17
Band 06 – K 18 – 20
Band 07 – K 21 – 25
Band 08 – K 26 – 27
Band 04
05Die Männer im KönigreichBand 08 – K 27 – 30
Band 09 – K 31 – 34
Band 10 – K 35 – 39
Band 11 – K 40 – 44
Band 12 – K 44.5 – 49
Band 13 – K 50 – 52
Band 05 – 06
06Die Eindringlinge des großen GrabmalsBand 07
07Die zwei AnführerBand 13 – Kapitel 53.1 – 53.2Band 08
08Der Magie Caster der ZerstörungBand 09
09Der Herrscher der VerschwörungBand 10
10Der ZwergenhandwerkerBand 11
11Der Paladin des Heiligen KönigreichsBand 12 – 13
12Die Hexe des fallenden KönigreichsBand 14
*K = Kapitel

Daten

MangaLight Novel
TitelOverlordOverlord
Titel Original オーバーロードオーバーロード
AutorMaruyama KuganeMaruyama Kugane
ZeichnungMiyama Fuginso-bin
VerlagCarlsen MangaYen On
Status (Original)fortlaufend (fortlaufend)fortlaufend (abgeschlossen)
Bände (Original)11 (13+)11 (17)
Preis pro Band6.99 EUR20 USD
Format180 x 125 mm
Softcover
217 x 148 mm
Hardcover
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Light Novel: © Maruyama Kugane, so-bin / Enterbrain, Yen Press

Manga: © Maruyama Kugane, Miyama Fugin / Carlsen Manga, Kadokawa Shoten


Weitere Teile der Overlord Reviews

  • Noch keine weiteren Teile verfügbar

mangakania

Manga-Fanatikerin und langjährige Anhängerin von Japan, Japanisch und allem was dazu gehört!

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