Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal den Japan Rail Pass (JRP) genutzt, den ausländische Reisende exklusiv beziehen können. Infos und Eindrücke zum Kauf, der Nutzung, und ob es sich lohnt.

Japan Rail Pass – was das?

Railpass nach 21 tägiger Nutzung

Der JRP ist ein Zug- und Busticket der Japan Railways Group, der es einem ermöglicht, in einem begrenzten Zeitraum mit allen Zügen und Bussen der JR Group unbegrenzt durch gesamt Japan zu reisen. Es gibt auch regionalere Tickets, wie zB den Hokkaido Pass oder den JR West Pass, die für geringere Gesamtbeträge in den entsprechenden Gebieten dieselbe Funktion bringen.

Unter welchen Konditionen bekommt man ihn?

90 Tage Besucher Visum, das man bei der Einreise automatisch erhält

Wenn man als temporärer Besucher Japan bereißt und nicht länger als 90 Tage im Land verweilt (das heißt ohne spezielles Visa, sondern mit dem Stempel bei der Einreise), darf man den JRP kaufen. Bestellen sollte man ihn zeitig vor dem Abflug, denn man erhält zuerst einen Coupon per Post nach Hause geschickt, den man vor Ort dann gegen den tatsächlichen Pass eintauscht. Es ist scheinbar auch möglich, den Pass direkt vor Ort im Land zu kaufen, ist dann jedoch noch einen Ticken teurer.

Die genauen Bedingungen sind hier: http://japanrailpass.net/de/about_jrp.html unter Punkt (1) nochmal genau beschrieben.
Die Coupons, die man in Japan einlösen muss

Wie funktioniert der Pass?

Physisch erhält man ein Papier-Pamphlet, auf welches das Ticket aufgeklebt wird. Die Kombination aus Ticket und Umschlag darf nie getrennt werden, sonst verliert diese die Gültigkeit. Im Bezug auf die Größe ist der Railpass leider relativ groß, sperrig und dadurch unhandlich. Kreditkartengröße oder Reisepassgröße wären sicher sehr praktisch gewesen, tatsächlich steht der Umschlag etwas über den Reisepass hinaus.

Aufgrund des großen Formats und des gedruckten Formates kann man den Railpass nicht an den normalen Toren, durch die man sonst mit seiner IC-Karte oder dem ausgedruckten kleinen Ticket gehen würde, benutzen, sondern muss den Pass immer den Mitarbeitern am Schalter vorzeigen. Die sind darin jedoch sehr schmerzfrei und fix, und lassen einen ohne Probleme passieren. Auch an den sich oft bildenden Schlangen von Leuten, die ihre Tickets abstempeln lassen müssen, kann man einfach vorbei laufen. Offiziell sei jedoch darauf hingewiesen, dass sie jederzeit das Recht haben, den Pass mit den Informationen des Reisepasses gegen zu prüfen – diesen sollte man also zwingend immer mit sich führen.

Womit darf ich denn jetzt fahren?

Wie oben kurz erwähnt darf man prinzipiell alle Züge und Busse (und Fähren, auch wenn wir das nie ausprobiert haben) der Japan Rail Group nutzen. Die einzige nennenswerte Ausnahme ist der Nozomi Shinkansen (schnellster der drei großen Shinkansen), der nicht unter das Ticket fällt. In Tokyo fallen die gesamte Tokyo Metro und Linien wie zum Beispiel die Asakusa Line und Ginza Line raus. Dort muss man ganz normale Tickets lösen.

In Kyoto ist nur eine einzige Buslinie und nur sehr wenige Zuglinien von der JRG, weshalb der Pass hier relativ wenig Anwendung findet. (Plant man sein Hotel aber entsprechend an einer JR Haltestelle, hat man wieder gute Karten.)

Rausfinden, ob die gewählte Verbindung unter den Rail Pass fällt, kann man besonders gut mit der NAVITIME App, in der man einstellen kann, ob man einen Rail Pass besitzt. Die App zeigt dann an, ob die gesamte Verbindung oder nur Teile davon im Pass inbegriffen sind. Auch Google Maps kann teilweise zu Rate gezogen werden, da an JR Linien meist ein JR als Information dargestellt wird. Da Maps in Japan auch von Japanern für Zugverbindungen genutzt wird, kann man sich sicher sein, dass sie wirklich gut funktioniert.

Die offizielle / aktuelle Beschreibung der geltenden Züge findet ihr hier: http://japanrailpass.net/de/about_jrp.html im Abschnitt "Gültigkeit".

Sollte man übrigens mit einem Shinkansen oder anderen Zug fahren, der eine Sitzplatzreservierung voraussetzt oder optional anbietet, so kann man diese mit dem JR Pass kostenlos durchführen. Die Mitarbeiter an den Ticketbüros an JR Bahnhöfen (grün gehalten, fallen gut auf) helfen einem dort auf Englisch gerne weiter.

Die Kosten und Optionen

Den Pass gibt es in drei Stufen – als sieben, vierzehn oder einundzwanzig Tage umfassende Zeiträume. Innerhalb dieser Tage kann man jeden Tag so viel fahren, wie man will. Ab dem 01. Oktober 2019 werden die Preise nochmals etwas erhöht, wir konnten bei unserer Reise im Mai 2019 noch auf die alten Preise (in Klammern geführt) zurückgreifen.

Gültigkeitsdauer2. Klasse Erwachsener
Yen
2. Klasse Erwachsener
Euro
7 Tage29.650JPY (29.110)250€ (245€)
14 Tage47.250JPY (46.390)399€ (390€)
21 Tage60.450JPY (59.350)510€ (500€)
Die aktuell gültigen Preisklassen kann man hier: http://japanrailpass.net/de/about_jrp.html im Abschnitt "Klassen und Preise" finden.
Eine grobe Kostenschätzung, ob sich der Pass für euch lohnt, findet ihr hier: https://www.japan-guide.com/railpass/ oder zum Beispiel auch hier: https://wanderweib.de/japan-rail-pass-rechner.html

Unsere Bezugsquelle

Wir hatten uns im Mai 2019 für japan-rail-pass.com als Verkäufer unserer Wahl entschieden. Diese haben bei der tatsächlichen Buchung der Tickets am wenigsten Datenkrake gespielt (es bedarf eigentlich nur eures expliziten und korrekten Vor- / Mittel- und Nachnamens) und für wenige zusätzliche Euro noch Karten von Tokyo/Kyoto, sowie ein „How To“ Booklet für Zugfahrten in Japan beigelegt. (Das Booklet habe ich nach dem Kauf auch als PDF erhalten, weiß jedoch nicht, ob das mit dem Kauf des physischen Booklets zusammen hing, oder immer mit kommt.)

Das Feedback, unser Eindruck

Unsere Railpass-Reisen waren in etwa die folgenden: diverse Zugfahren im JR Netz Tokyo, z.B. zwischen Shibuya und Akihabara. Eine lange Shinkansen Fahrt nach Kyoto (hin und zurück), eine kurze Shinkansen Fahrt für einen Tagesausflug nach Osaka / Kobe, sowie eine Shinkansen Fahrt nach Karuizawa. Einen anfangs geplanten Ausflug nach Nikko haben wir während der Reise fallen lassen.

Finanziell haben wir damit die Kosten des Rail Passes knapp wieder rein geholt. Gerade bei mehreren Shinkansen Fahrten und deren Sitzplatzreservierung kommt man schnell auf seine Kosten. Wirklich finanziell gespart hätten wir jedoch erst mit der zusätzlichen Zugfahrt nach Nikko.

Einzeltickets, wenn man weder JR Pass noch SUICA besitzt

Komfort hatten wir durch den Pass in gewisser Weise gewonnen. Prepaid Karten wie die SUICA wären eine weitere gute Alternative gewesen, um keine Einzeltickets lösen zu müssen – doch sollte man hier nicht vergessen immer darauf achten, auch genug Guthaben auf der Karte zu haben.

Zum wirklich Schwaben-Level sparen hätten wir einen Teil unserer Reise anders planen müssen. Ein „Fehler“ war beispielsweise, dass ich die Hotels in Kyoto bereits gebucht hatte, bevor ich mich mit dem Railpass auseinander gesetzt hatte. Somit waren wir 8 Tage in Kyoto, wodurch der kleinste Railpass nicht mehr ausreichend war.

Final kann ich jedoch sagen, dass ich mir den Pass wieder holen werde, sollte sich nochmal eine Shinkansen-lastige kurzaufenthalt Reise ergeben.


mangakania

Manga-Fanatikerin und langjährige Anhängerin von Japan, Japanisch und allem was dazu gehört!

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