Nach einer Teleportation in die Vergangenheit ging es heute auf ein weiteres matsuri (Festival), jedoch blickte ich vorne und hinten nicht durch, was hier jetzt wo eigentlich passierte… Ohje! 😀

Die Samurai besuchen

Im Nishimonai ist ein altes Stadtviertel noch weiterhin so erhalten, wie es zu Zeiten der Samurai war. Diverse HĂ€user können besucht werden (alle natĂŒrlich fĂŒr Cash), die unterschiedliche Ausstattungen, Ausstellungen oder andere SehenswĂŒrdigkeiten im Inneren haben. Alle anderen HĂ€user sind entweder tatsĂ€chlich noch bewohnt (und selbst da kann man manchmal Teile besichtigen), oder von Souvenier-Shops befĂŒllt. Davon gibt es hier nĂ€mlich eine ganze Stange! Links und rechts kann man handwerklich gebasteltes, gefeiltes, gefrĂ€stes, oder gebrautes kaufen. WĂ€hrend ich das Viertel besichtigt habe, hat es leider ziemlich intensiv geregnet, was der Schönheit des Ortes aber keinerlei Bruch getan hat.

Tanz mit mir, Baby

Aus BroschĂŒren wusste ich, dass ein weiteres matsuri in meinen Aufenthalt fĂ€llt, das ich geographisch sogar einbauen konnte – das Nishimonai Bon Odori, in dem Stadtteil Nishimonai von Ugo, war ein historisches Tanz-Festival, das im Zuge des Obon gefeiert wurde. Laut Internet (<- wissenschaftlich anerkannte Quellenangabe, haha) kamen die TĂ€nze und deren AuffĂŒhrung ursprĂŒnglich aus dem Anbau, um fĂŒr eine gute Ernte zu beten. Inzwischen ist es ein Gedenken der Ahnen und Vorfahren. Allzu viele HintergrĂŒnde sind auf Englisch jedoch leider auch nicht aufzuspĂŒren, und vor Ort habe ich keinerlei Hintergrundinformationen erhalten. Es war allgemein eher ein Fest der lokal AnsĂ€ssigen, und ich war vermutlich weit und breit die einzige Orts- geschweige denn Landesfremde.

Der Tanz selbst ist eine relativ simple Aneinanderreihung von Bewegungen, die man vermutlich schnell erlernt, aber erst nach langem ĂŒben perfektioniert hat. Die begleitende Musik besteht hauptsĂ€chlich aus Sprechgesang, der abwechselnd von vier HauptsĂ€ngern geleitet wird, wĂ€hrend im Hintergrund Flöten, Trommeln und Shamisen (und vielleicht noch weitere Instrumente) die Melodie unterstrichen. Irgendwie faszinierend war, dass das Lied kein Ende hat. Es ist eine immer und immer wieder wiederholende Schleife, in der alle SĂ€nger und Instrumente ohne merkenswerten Übergang ausgetauscht werden können. Das ist zwar wie gesagt echt interessant – aber nach 10 Minuten auch irgendwo etwas nervig. Und nach 20 Minuten noch ein bisschen mehr. Das erste Lied ging gut eine Stunde lang (genau gestoppt habe ich die Zeit nicht), und gefĂŒhlt alle Minute ist man mit einer Strophe durch. (Im angehĂ€ngten Video könnt ihr einen Eindruck davon erhaschen.)

Alles in Allem war ich von dem Abend sehr verwirrt, und auch ziemlich enttĂ€uscht. WĂ€hrend ich wie in Sendai ein Straßenfestival erwartet hatte, mit StĂ€nden, diversen Tanzgruppen, LĂ€rm und Spaß an allen Ecken, ging es (aufgrund der Wetterbedingungen) in eine Turnhalle. Der Eintritt (den man auch auf der Straße hĂ€tte zahlen mĂŒssen) betrug JPY2.000, was ich unglaublich teuer fand. Es gab keinerlei Verpflegung, und nach Bezahlung bekam man einen der (sehr eng aneinandergereihten) KlappstĂŒhle zugewiesen. Das ging anfangs noch ganz gut, konnte ich doch links an meinen Vor-Sitzern vorbei fotografieren und filmen – doch als sich diese PlĂ€tze ebenfalls fĂŒllten, war Schluss mit jeglicher Chance auf gute Bilder. Nachdem ich nicht wusste, ob je ein anderes Lied gespielt werden wĂŒrde (irgendwann wurde es das, aber das war dann auch eine sehr Ă€hnliche Dauerschleife), es in der Halle immer wĂ€rmer und stickiger wurde, ich vom horrenden Preis noch etwas angefressen war, und auch niemand hatte, dem ich zujubeln (Familien, die ihre Kids oder LebensgefĂ€hrten unterstĂŒtzen) oder mit dem ich quatschen konnte, war das eine relativ dröge, einsame Veranstaltung, die ich dann auch eine Stunde vor offiziellem Ende verlassen habe.

Da der Upload der qualitativ deutlich besseren Kamera-Videos wie bereits bekannt erstmal vertagt werden muss, dĂŒrft ihr nochmal mit der wunderbaren Handy-QualitĂ€t vorlieb nehmen. Ich konnte den Tanz natĂŒrlich schlecht von Anfang bis Ende aufnehmen, da er in Endlosschleife lief – daher wirkt sowohl Anfang als auch Ende etwas aprupt!

Ansonsten folgen wie immer die ĂŒblichen Bilder. Manche sind meiner Meinung nach echt gut gelungen, dafĂŒr, dass ich nur irgendwo in der zweiten Reihe saß, und zwischen Köpfen durch fotografieren musste! (PS1: Dank der HĂŒte hatte man nicht sofort erkannt, ob es sich um einen Herrn oder eine Dame handelte, was ich irgendwie sehr cool fand! Manchmal verrieten es dann die Bewegungen oder der Körperbau, aber es war nicht immer glasklar. PS2: Mein heimlicher Favorit war ja der Herr im weißen Yukata. Der konnte sich einfach gut bewegen, da hat jeder ausgestreckte Arm, jeder Winkel, jeder Bewegungsfluss einfach gestimmt! Sehr schön zuzuschauen.)

 

Die Nacht genießen

Ein Vorteil des Ganzen war, dass die NachtstĂ€tte örtlich nah an dem FestivalgelĂ€nde lag (weshalb ich mich auf viele StĂ€nde, Knabbereien und evtl. auch das ein oder andere GetrĂ€nk gefreut hatte, grummel), und ich mich dort dann gemĂŒtlich einrichtete. Da es den ganzen Abend ĂŒber immer wieder regnete blieb die Temperatur angenehm, und die allgemeine Luft frisch.

Daten

Kalendertag 16.08.2018
Reisetag 20
Kategorien: 2018japan

mangakania

Manga-Fanatikerin und langjÀhrige AnhÀngerin von Japan, Japanisch und allem was dazu gehört!

2 Kommentare

Iris · 21. August 2018 um 08:50

Die gelben Crogs der kleinen TĂ€nzerin sind lustig. Ich hatte im I-net mal vorab nach dem Fest gesucht. Die Musik ist echt ein Ohrwurm. Ich bin schon auf den „weißen TĂ€nzer“ gespannt. Sehr schade, dass es nicht draußen stattfand. An den Bildern dort von letzten Jahren sieht man, dass Dann auch Feuer gebrannt hĂ€tten und es mehr SitzplĂ€tze gegeben hĂ€tte.
Angeblich ist das ganze nicht nur ein Ernte-Tanz, sondern auch eine Hommage an den ehemaligen FĂŒrst der Gegend.

    mangakania · 21. August 2018 um 11:19

    Der Herr in weiß ist auf jeden Fall in den letzten Bildern zu sehen. Ob er auf den Videos drauf ist weiß ich gerade gar nicht mehr auswendig.

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