Absolut im Zeitplan zu liegen tut wirklich gut – vor allem, wenn es ab jetzt aus dem Osten in den Westen und statt Norden gen Süden geht!

Osorezanbodaiji

Als ich meinen Besuch dieser Örtlichkeit ausgesucht habe dachte ich „haja, noch ein schöner Schrein“. Wie falsch man doch liegen kann! Osorezan (wie es abgekürzt genannt wird) ist eine der drei heiligsten Stätten Japans, und insbesondere in diesen Tagen. Denn es ist Zeit für お盆(obon), dem Fest der Verstorbenen. In diesen vier Tagen im August ist der Glaube wir folgt: die Toten kehren aus dem Totenreich zurück, um mit der Familie Zeit zu verbringen. Man speißt gemeinsam mit ihnen, um ihre Leiden in der Unterwelt zu lindern. Am letzten Tag kehren sie dorthin wieder zurück. Und der Ort, an den alle Seelen nach ihrem Tod gehen, hat seine Eingangspforten genau hier – am Osorezan. Das zumindest ist der Glaube derer, die um den Osorezan herum leben.

Von Außen und als Glaubensfremder ist Osorezan ein wunderschöner landschaftlicher Fleck. Ein See umrundet von Bergen, Gerölllandschaften mit unzähligen (scheinbar gezählten) heißen Quellen, die aus dem Boden brodelt… dazu kommen noch schöne Gebäude und Unmengen Jizo-Statuen. Das einzig wirklich störende an dem gesamten Ort ist der Geruch. Es handelt sich bei den Quellen nämlich um sehr schwefelhaltiges Wasser, das oft eine gelbe Färbung hinterlässt – und großteile der Umgebung nach faulen Eiern stinken lässt. Für Wanderungen und Gegend-Bestauner immer wieder etwas irritierend, vom „oooooh“ und „aaaaah“ der Natur mit faulen Eiern im Gesicht in die Wirklichkeit zurück geholt zu werden ;D Trotzdem ist es ein Abstecher, der durchaus einen Besuch Wert ist! (Zukunfts-Ines kann zudem noch bestätigen, dass bei einer Raststätten-Gesprächsrunde in den darauffolgenden Tagen tatsächlich eine Dame da war, die in der Gegend wohnt, die ganzen Aberglauben der Gegend bestätigte (die dort Wohnhaften glauben auch, dass man die verstorbenen Seelen, die in Osorezan einkehren, Nachts hören kann) und sehr zufrieden damit war, dass ich den Ort besucht und ihn wunderschön gefunden habe. Punkt für mich!)

 

Mal eben Oma besuchen

Einen kurzen Abstecher, und ein Highlight meiner Reise war der Besuch der Stadt Oma (大間). Sie beherbergt den nördlichsten Punkt Honshuus (本州), der japanischen Hauptinsel. Ohne einen Abstecher nach Hokkaido (北海道), der dieses Jahr nicht auf dem Plan stand, kommt man nicht noch weiter in den Norden! Damit war die geologische Hälfte meiner Reise geschafft. Ab jetzt ging es von Osten in den Westen über, und statt gen Norden führte mich ab sofort jeder Weg gen Süden.

Man merkt, dass es in Oma vor allem viele Touristen und einiges an Meer gibt. Während die Einheimischen Nori (das Algen-Zeug um Sushi herum) und Wakame (das Algen-Zeug in Miso-Suppen drin) (siehe Bilder 3+4) trocknen, das sie hier lokal ernten, stehen die Touris Schlange, um tolle Fotos am nördlichen Monument aufzunehmen, einem Tunfisch die Schnauze einzuschlagen, oder in den Restaurants lokale Fischgerichte zu essen. Während ich mich eigentlich drauf gefreut hatte, hier wirklich frisches Meeresgetier probieren zu können (trotz der Warnung eines Reisenden vor paar Tagen: „Im Sommer schmeckt das gar nicht! Die Fische haben gerade erst gelaicht, der ganze Geschmack ist weg!!“), haben mich die Schlangen komplett abgeschreckt. Meine Güte, standen da viele Leute! Darauf hatte ich wirklich keine Lust… Von daher ging es, nachdem ich eine Weile einfach auf Stufen gesessen und das Meer betrachtet habe (die Berge am Horizont sind übrigens alles Hokkaido!), wieder weiter.

Michi no Eki

Die heutige Nachtstation war an einem gigantischen Meer-Park, an dem man surfen, angeln, planschen und was weiß ich noch alles konnte. Entsprechend wuselig und voll war die gesamte Anlage. Trotzdem fand ich nach einiger Zeit einen guten Parkplatz für die Nacht, und besuchte das „Sky Spa“ im fünften Stock des angrenzenden Gebäudes. (Effektiv war es nur ein ganz normales Bad, aber halt weit oben. Aussicht war auch nicht soooo prickelnd – dafür war der Besuch schön preiswert.) In dieser Nacht kam ich mit einem Seniorenpärchen in Gespräch, die ein paar Vans weiter parkten. Nach einigem gequatsche kamen auch die direkt anliegenden Nachbarn aus ihrem Wohnwagen, und wir quasselten zu fünft bis spät in die Nacht. Folgende Liste soll einen erbärmlichen Versuch darstellen, alle Erfahrungen zu sortieren:

  • Der Herr des Seniorenpärchens konnte keinen pieps Englisch, hat aber immer versucht, mit amerikanischem Akzent zu reden. War irgendwie lustig und seltsam zugleich. Seine Frau ist Japanischlehrerin, die vor allem indische und … vietnamesische (glaube ich) Schüler hat. Nennen wir sie Herr und Frau S.
  • Pärchen S. bereißt liebend gerne Japan, da es Berge liebt. Aus dem Land heraus kamen sie aber noch nicht.
  • Pärchen S. liebt Sake (er) und Umeshu (sie). Sie haben an ihrem Haus sogar einen Ume-Baum, von dem sie jedes Jahr eigenen Umeshu einlegen. Mir wurde empfohlen, ich solle mal Momozake (Pfirsich-Alkohol) probieren, wenn mir Umeshu doch so schmecken würde – das wäre eine perfekte Ergänzung!
  • Die Dame des Wohnwagenpärchens war eine absolute Weltenbummlerin – weil sie Tiere liebt. So war sie unter anderem schon in Afrika auf Safari und am Südpol. Dort hatte sie sich, weil Wasser knapp und Haare nervig waren, eine Glatze rasiert. Herr S. war schockiert, Herr W. (nennen wir die beiden doch mal Herr und Frau W.) hatte sich dabei jedoch in sie verguckt.
  • Frau W. hat ein ganz anderes Gefahrenverständnis als Pärchen S., was klar ist. Japan ist eins der sichersten Länder der Welt, und Pärchen S. hat dieses noch nie verlassen. Dafür weiß Frau W., ähnlich wie ich aus Erfahrung heraus, dass man mit kleinen Tricks ein ganz gutes Sicherheitsgefühl bekommen kann. Pärchen S. war schockiert von Erzählungen von Dieben, Einbrechern, Diebstahl unter hervorgehaltenem Messer… das alles kennen die beiden nicht im geringsten.
  • Herr S. biet mir zu Beginn des Abends ein kleines Glas Sake on the rocks an, das ich gemütlich genoss – als Pärchen W. dazu kam, wurde aber aufgefahren. Dosen-Alkohol (keine Ahnung, was genau das war), große Tetrapacks shochuu (japanischer Alkohol im allgemeinen) und viele Knabbereien (gefüllter Magen = weniger Alkoholkopf!) wurden aufgebahrt.

Daten

Kalendertag 12.08.2018
Reisetag 16
Kategorien: 2018japan

mangakania

Manga-Fanatikerin und langjährige Anhängerin von Japan, Japanisch und allem was dazu gehört!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.