Was verschafft einem im Rekordsommer Abkühlung? Tief unter die Erde zu gehen! Kälte, Enge und Feuchtigkeit standen heute auf dem Programm, nur um später einen Blick in weite Ferne zu ermöglichen…

Angenehme Nachtruhe… Oder?

Gestern Nacht ist nach knapp zwei Wochen Reisen das erste Mal das schier unglaubliche geschehen – ich wurde von der Polizei kontrolliert! Im Nachgang vermute ich, dass die Kontrolle daher kam, dass mein Auto in dieser Nacht das einzige auf dem gesamten Parkplatz war, und daher etwas fehl am Platz wirkte. Auf jeden Fall bemerkte ich Taschenlampenflackern und Gespräche zwischen zwei Menschen, die daraufhin auch bald an mein Fenster klopften. Mit dem Hochlassen der Rollos versicherte ich mich, dass es tatsächlich Polizisten waren, während die beiden mir Gegenüber sichtlich… überrascht waren 😀 Ich wette sie hatten im Leben nicht mit einem Ausländer, dazu einer Frau, dazu einer ALLEIN reisenden Frau gerechnet. Die Armen waren komplett überfordert, verloren komplett den roten Faden. Es war fast schon putzig zu sehen.

Da sie meine ID sehen wollten übergab ich ihnen über die inzwischen offene Seitentüre meinen Reisepass, die Übersetzung des Führerscheins (ein A4-Papier Ausdruck, sehr unhandlich), sowie meinen Kreditkartengroßen deutschen Führerschein. Die (vermutlich um die 30 jährigen? Ich kann Asiaten nicht wirklich einschätzen) jungen Polizisten hatten offensichtlich keine Ahnung, was ich ihnen da überreicht hatte, und schauten die Dokumente an wie Brot. In Japan ist ein Führerschein in der Regel immer noch wie unser „alter“ Führerschein, und wenn überhaupt hatten sie wohl mit einem internationalen Führerschein gerechnet. Die Übersetzung hatten sie eindeutig auch nicht erwartet. Begleitet wurde das Ganze von dem üblichen Gespräch „Auf einer Reise? Alleine? Oho, wohin? Achwas, von Narita hierher? Mensch! Pass gut auf dich auf, ja! Ganz alleine, mensch mensch mensch. Und aus Deutschland, ja? Mensch mensch mensch…“ 😀 Ich hatte auf jeden Fall meinen Spaß und die beiden sicher einiges zu erzählen.

Ab unter die Erde

So begann der Tag damit, dass ich tief unter die Erde ging – in die Ryūsendō Höhle. Diese schlängelt sich als langer, enger, (teils sehr niedriger…) Gang durch das Gestein, und begeistert mit Felsformen, Felslöchern, wunderbar klaren (und vermutlich eiskalten) Seen und Flüssen, sowie Fledermäusen! Es war wirklich eine schöne Erfahrung und irgendwie musste ich dabei oft an ein Spiel denken, das ich häufig benutze. Dabei betritt der eigene Charakter auch Höhlensysteme und muss diese in totaler Finsternis erkunden. Vor dem Computer denkt man sich dann, dass das schon irgendwie spannend und aufregend ist – aber in Echt dort unterwegs zu sein? Die durchdringende Kälte auf der Haut? Selbst mit fest angelegtem, abgesicherten Weg gibt es noch viele Abgründe, die einen schlucken lassen, und jeder Tropfen Wasser ist eiskalt (wenn auch schön anzusehen). Meinen höchsten Respekt an alle, die unerkundete Höhlen erforschen, und sich in diese Abenteuer stürzen! (Ich besuche dann die ausgeleuchtete Höhle mit fest angelegtem Weg, danke ;D).

In der Höhle gab es immer wieder Informationsschilder zu Seen, Steingebilden (anscheinend war da eine sexy Venus im Stein…?) und Fledermäusen. Wunderbarerweise gab es alle Informationen auch immer auf Englisch, was mich als Besucher doch sehr gefreut hat. So nimmt man einfach mehr mit, wenn man die Informationen direkt am Objekt erhält, und sie nicht später googeln muss. In der Höhle habe ich versucht, den ein oder anderen Schnappschuss zu ergattern – da ich mich davor aber noch nie mit Fotografie in diesem Umfeld beschäftigt habe, wusste ich nicht, welche Einstellungen richtig waren, und habe mich auf die Automatik verlassen. Den Blitz habe ich an zwei Stellen genutzt, er ist aber einfach viel zu grell.

Einmal 360° Sicht

Am Kitayamazaki Aussichtspunkt genoss ich den letzten Blick auf die Küstenlandschaft der Präfektur Iwate. Dort gab es diverse Pausenmöglichkeiten mit gutem Ausblick (leider waren die Sitzbänke (Baumstämme) durchweg feucht, wie ich danach feststellte…) und zwei offizielle Aussichtsplattformen, die wunderbare Panoramen vom Meer und den Küstenabschnitten ermöglichten. Ansonsten gab es dort außer Andenkenshops und Restaurants jedoch nicht viel zu sehen – wobei! Auf dem Parkplatz auf dem Rückweg gab es noch kurz ein kleines „Fremd-leiden“ (und Fremdschämen) mit dem Fahrer eines schicken BMW. Während zwei andere Campervan-Familien und ich um unsere Autos wuselten, Eis aßen, etwas Schatten suchten, und allgemein kurz die frische Luft nutzten, kam ein sehr schick angezogenes Pärchen vom Ausblick genießen zurück, setzte sich sofort in ihr Auto, und wollten mit etwas Getöse auffällig vom Parkplatz abfahren. Sie hatten dafür auch schon klug vorgearbeitet und rückwärts eingeparkt, um mit aufdrehendem Motor nach vorne weg zu sprinten – blöd nur, dass sie den am weitesten links befindlichen Parkplatz gewählt hatten, der direkt am Bordstein lag. Und diesen vergessen hatten. So jaulte der Motor auf, alle Augen blickten zu ihnen, der Moment war da – das Gaspedal betätigt sprintete das Auto los, mit leichter Neigung nach links… und saß mit einem lauten Knall auf dem Bordstein auf! Ein paar Meter versuchten sie noch, so zu tun, als wäre nichts, und einfach weiter zu fahren – doch dann merkten auch die Auto-Insassen, dass ihnen von der linken Autohälfte ein Blechteil auf dem Boden schleifte. Die Frau (Beifahrerin) hüpfte aus dem Auto und „rannte“ in ihrem engen Cocktail-Rock auf Stöckelschühchen zurück zu den ganzen Shops, um von dort etwas Klebeband zu organisieren. Was haben wir uns amüsiert! Es war zum schießen!

Seelige Ruhe im warmen Wasser

Das Ono Onsen liegt direkt an dem Ono Campus (Universität? keine Ahnung), mit Restaurant und Raststätte und co. Im Onsen selbst war ich während dem Bad tatsächlich allein, was mal richtig gut tat! Raststätten sind ja allgemein immer Geräuschkulissen, mit Autos, redenden Menschen, Durchsagen der Lautsprecher, etc pp… Da war ein paar Minuten abschalten wirklich sehr angenehm. Danach gönnte ich mir auch noch eine Portion Ramen im dazugehörigen Restaurant, und setzte danach erholt, gesättigt und einfach nur zufrieden meine Fahrt fort.

Gute Nacht

Die Nacht verbrachte ich im Michi No Eki Hashikami, zu dem ich hier nicht allzu viel sagen kann. Die vorigen Beiträge haben ja schon viel über die Raststätten berichtet, und heute war wieder so ein „Nicht aus dem Auto bewegen“ Tag, in dem ich einfach hinten die Zeit genoss, etwas las, und weiter die Route plante.

Daten

Kalendertag 10.08.2018
Reisetag 14
Kategorien: 2018japan

mangakania

Manga-Fanatikerin und langjährige Anhängerin von Japan, Japanisch und allem was dazu gehört!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.