Nach inzwischen doch vier Tagen Fahrerfahrung möchte ich heute Mal meine ersten Eindrücke mit euch teilen, und eine Grundlage an Infos bilden, die ich zum Abschluss des Urlaubs entweder wieder revidiere, oder mit einer einmonatigen Erfahrung belegen kann. (Der Bericht zu Tag 4 kommt dann morgen, keine Sorge!) Anbei findet ihr also alles, was ich denke, dass es für die Erstinformation wichtig ist.

Gesetzeslage

Um in Japan fahren zu dürfen, braucht man einen Führerschein – so viel sollte natürlich klar sein. Diesen bekommt man hier erst mit der Volljährigkeit, welche 21 beträgt – und dieses Alter wird auch bei Ausländern angewandt, egal, wie gültig der eigene Führerschein im Heimatland ist. Für Deutschland ist zu beachten, dass Japan unseren eigentlich extra für solche Fälle vorgesehenen internationalen Führerschein nicht akzeptiert. Man braucht eine speziell angefertigte japanische Übersetzung dafür.

Übersetzung zum Führerschein

Diese bekommt man über die JAF (Japanese Automotive Federation) eigentlich(!) ziemlich einfach, jedoch sollte man ein paar Dinge beachten. Die Übersetzung kostet von Seiten der JAF JPY3.000, also grob überschlagen 25EUR. Sie ist in Kombination mit eurem bei der Einreise erhaltenen Stempel im Visum bis zu ein Jahr gültig, kann bei erneuter Einreise zu einem späteren Zeitpunkt jedoch wieder verwendet werden, solange sich am Ursprungsausweis nichts ändert (Quelle). Die tatsächliche Beschaffung ist hingegen tricky. In Tokyo gibt es eine Zweigstelle der JAF, in dieser bekommt man innerhalb von ein paar Stunden die Übersetzung ausgestellt. Das ist schnell, einfach und direkt, und ist somit meine Empfehlung. Bei mir ging das beispielsweise nicht, da ich ja gar nicht nach Tokio gegangen bin! Die Option des Postwegs fällt für Ausländer flach, da die JAF nur Postaufträge annimmt, bei denen die Rücksendeadresse in Japan angesiedelt ist. Meine Lösung des Ganzen war es, über JapanCampers, wo ich meinen Campervan miete, die Übersetzung machen zu lassen. Zwar wollten diese dafür etwas Geld haben (JPY7.000 hat das Ganze dann gekostet), jedoch wurde mir die Übersetzung somit bei der Wagenübergabe direkt mit in die Hand gedrückt, ohne, dass ich etwas machen musste. Auch ein Service.

Kostenloste Raststätten – Michi No Eki

Wenn man nun wie ich mit einem Campervan unterwegs ist, will man irgendwo länger halten und schlafen. Es gibt zwar explizite Campingflächen, jedoch kosten diese meist eine Mietpauschale. Die beste und auch von allen Seiten empfohlene Lösung sind „Michi no Eki“ (Webseite) genannte Raststätten, die über das ganze Land verteilt sind. Diese kommen mit kostenlosen 24/7 Toiletten, Shops bzw. Restaurants, und manchmal auch freiem Wi-Fi oder sogar einem hauseigenem Bad daher. Jede Haltestelle ist etwas anders, wodurch es immer interessantes zu entdecken und neue Leute zu treffen gibt.

Ein Michi no Eki

Schnell wie der Wi… die Schnecke!

Wir in Deutschland sind ja weltweit für unsere Autobahnen bekannt. Unbegrenzt! Wo gibt es schon sowas! In Japan sicher nicht, denn hier herrschen ganz andere Regeln. Sind wir innerorts 50kmh gewohnt, heißt es hier – vierzig, bitte! Und während wir außerorts zwischen 60, 80 oder sogar 100kmh auf den Tacho bringen dürfen, gilt für die Japaner …. läppische fünfzig!! Auf den Highways darf man zwar 80, jedoch sind diese kostenpflichtig, von daher habe ich bisher noch keinen einzigen befahren – und habe es auch nicht vor! Vorteil dieser Geschwindigkeiten ist natürlich, dass man gucken kann. Viel gucken. Gemütlich gucken. Und für einen Urlaub wie meinen ist das Gold. Einen kleinen Nachteil bringt das Ganze jedoch noch mit sich… man muss extrem auf den Tacho achten. Sich am Vorder- oder Hintermann zu orientieren reicht nicht, denn die Japaner heizen, was das Zeug hält. An die eigentlichen Vorgaben hält sich so gut wie keiner.

Linksverkehr

Die größte Frage, die euch sicher brennend interessiert ist „Ines, Ines, … wie ist denn das mit dem Linksverkehr jetzt???“. Naja, also am Anfang (damit meine ich die erste halbe Stunde vom verlassen des Hofs) war ich nervös. Sehr nervös. Aber links halten geht genauso einfach wie rechts halten, stellt sich heraus! Schwieriger war fast schon, dass ich rechts blinken muss… wie oft mir am Anfang doch der Scheibenwischer anging, statt dem wegweißenden Licht. Inzwischen denke ich dass ich mich sehr gut an den Linksverkehr gewöhnt habe. Aufpassen tue ich natürlich trotzdem noch, denn ich will nicht der selbstsichere Geisterfahrer werden, der plötzlich vor jemandem auftaucht.. und vor allem beim links abbiegen muss ich auch jetzt noch sehr aktiv darauf achten, die enge Kurve zu fahren, um nicht plötzlich auf der Gegenfahrbahn zu stehen und dumm in die Wäsche zu schauen. Am allerschwierigsten fällt mir die Orientierung in Bereichen, in denen es keine Markierung gibt – nämlich Parkplätzen. Vermutlich auch dem Fakt geschuldet, dass man sich auf einem Parkplatz komplett anders konzentiert als auf der Straße, erwische ich mich doch immer wieder dabei, plötzlich am rechten Fahrbahnrand entlang zu schleichen. Aber insgesamt kann ich wirklich Entwarnung geben – es ist einfacher, als man Anfangs denkt, und wenn man konzentriert bleibt (ist beim Fahren meist eh eine gute Idee), dann passiert da auch nichts weiter.

Perspektive des Linksverkehr

Sonstige lustige Auffälligkeiten

Putzig finde ich, dass es landesweit eindeutige und auch akzeptierte Aufkleber gibt – und zwar nicht nur für Behinderte, sondern auch für Senioren – und Anfänger! So prangt beispielsweise auf meinem Auto ganz dick und fett die Warnung „lieber Mal genauer hinschauen, was die Idiotin da produziert!“.

Scheinbar kennen die Japaner kein Licht – oder wollen Strom sparen. Ich weiß es nicht genau. Jedenfalls bin ich anfangs meiner Gewohnheit nachgegangen, im Schatten der Wälder, bei wolkigem Wetter… oder halt einfach immer das normale Fahrtlicht an zu haben. Hier macht das nicht nur niemand – nein, ich wurde sogar mit Lichthupe darauf hingewiesen, a la „Hey, dein Licht ist an!“.

Japan. Blinkt. Und zwar alle. Für jede kleine Ecke, für jede Ampel, bei jedem Spurwechsel… Immer. Ich habe noch keinen gesehen, der ohne seinen Blinker irgendwie von der geraden Spur abgewiesen ist. Das muss man erstmal schlucken können, so, wie wir das von Deutschland gewohnt sind…

Und zu guter letzt habe ich noch einen kleinen Eindruck vom Linksfahren für euch. Falls ihr auf mehr davon Lust habt, lasst es mich gerne wissen! Die technischen Begebenheiten sind dafür da!

Kategorien: 2018japan

mangakania

Manga-Fanatikerin und langjährige Anhängerin von Japan, Japanisch und allem was dazu gehört!

6 Kommentare

Iris · 31. Juli 2018 um 19:04

Der Film ist ja lustig… gerne Mehr davon.

Katja · 3. August 2018 um 18:52

Ok, auf der Straße ist 50 vielleicht keine schlechte Idee 🙂

    mangakania · 8. August 2018 um 03:10

    Es sorgt jedenfalls für deutlich entspannter Verkehr… Oder es ist halt die Mentalität, die anders ist 😀

Edgar · 6. August 2018 um 22:33

Das mit dem Führerschein finde ich ganz interessant. Bin schon in England und Australien auf der falschen Straßenseite gefahren 🙂
Leider können wir uns wohl nicht treffen. Wir treffen am 26. August in Haneda ein und du fliegst da schon wieder bald ab, wie deine Mutter sagt.
Und wir sind gleich ein paar Tage in Tokio. Da könnte ich ja mein Glück mit dem Führerschein versuchen. Die Frage ist nur, ob mein alter grauer Lappen als gültiger Führerschein akzeptiert wird. Eigentlich haben wir unseren Trip komplett mit Zug geplant. Aber so ein paar spontane Ausflüge mit dem Auto wären sicher auch ganz nett. Denn nicht überall kommt man einfach mit JR hin.

    mangakania · 7. August 2018 um 06:44

    Hei Edgar,
    oh wow, dann wünsche ich euch schonmal eine tolle Zeit in Japan! Tokio ist ein herrliches Fleckchen, da kann man viel erleben – vor allem mit der Bahn 😉
    Ob der alte Lappen noch geht weiß ich leider nicht. Die Abbildungen der JAF beziehen sich immer nur auf die neuen Checkkartenausweise. Aber probieren schadet ja nicht 🙂
    Zwecks einem möglichen Treffen müssen wir Mal spontan in Kontakt bleiben. Ich habe eigentlich immer nur so 2-3 Tage im vorraus geplant, wohin ich wann gehen will. Von daher ist der Zeitraum 26./27.08. noch ein großes Mysterium!

      Edgar · 19. September 2018 um 13:55

      Die Übersetzung bei der JAF hat wie erwartet die 3000 Yen gekostet.
      Am vorletzten Tag habe ich dann sogar ein Auto gemietet für einen Nachmittag.
      Wir sind von Tokio mit dem Shinkansen nach Ogawara gefahren. Dort habe ich bei Toyata Rent a car ein Auto gemietet. 5400 + 1700 Versicherung für bis zu 6 Stunden. Ich wurde auch nach einem internationalen Führerschein gefragt. Das könnte darauf hindeuten, daß sie das auch akzeptiert hätten. Wurde mir von einem Japaner auch gesagt. Habe ich aber nicht nachgeforscht.
      Auf jeden Fall: Drei Personen (Frauen) in dem Büro. Englisch? 0 bis sehr wenig 🙂
      Dann bin ich über eine Menge schmale Serpentinen (30km Limit) nach https://de.wikipedia.org/wiki/Ashi-See gefahren. Auf dem Rückweg habe ich mir in Hakone noch einen Tempel angeschaut.
      Mit dem Navi war der Stadtverkehr einfacher wie die engen Serpentinen durch Täler und Wald bis zum See. Bei der Autovermietung bin ich erst mal ganz wie gewohnt links eingestiegen 🙂
      Dann noch ein kleiner Scherz am Rande: Ich habe es geschafft für den Rückweg zur Autovermietung (Mit Einbahnstraßen vermint) das japanische Navi im Auto zu aktivieren. Ziel habe ich durch Eingabe der Telefonnummer gesetzt. Parallel hatte ich Google Maps laufen. Google meinte vorzeitig ich sei am Ziel. Glücklicherweise hat mich das Autosystem dann noch ans Ziel gebracht.

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